Wegwerfen von Abfällen belastet Fließgewässer

Umweltverschmutzung: Vom Klo bis in die Ahna

+
So kann es am Ufer der Ahna nach starkem Regen aussehen. Hygieneartikel, die via Toilette entsorgt wurden, werden in Regenüberlaufanlagen und anschließend in Flüsse und Bäche gespült.

Kassel. Die Ahna ist das schmutzigste Gewässer in Kassel. Das zumindest meint Marco Breitbarth, Doktorand an der Uni Kassel im Fachgebiet Abfalltechnik, – und erntet damit Kritik – zumindest bei Kasselwasser und beim Regierungspräsidium Kassel.

Breitbarth erforscht aktuell das „Littering“ – also das achlose Wegwerfen von Abfall und die sich daraus ergebenden Folgen für die Umwelt: Zigarettenkippen, Plastiktüten und -becher, aber auch Sperrmüll nimmt er in den Blick.

Zum „Littering“ zählt Breitbarth auch das achtlose Entsorgen von Hygieneartikeln mit Plastikanteilen wie Windeln, Damenbinden, Kondome oder Ohrenstäbchen in die Toilette. „Auch solche Abfälle können in die Umwelt gelangen und vor allem Fließgewässer belasten“, sagt Breitbarth. Und er ist der Meinung, dass es gerade die Ahna ist, in der sich solche Abfälle vermehrt finden lassen.

„Dem ist definitiv nicht so“, sagt Detlef Wagner von Kasselwasser. Die Ahna sei nicht stärker mit Plastik-Abfällen belastet als andere Fließgewässer in Kassel. Natürlich gebe es Probleme mit Abfall. Das aber halte sich in Grenzen. „Von richtiger biologischer Verschmutzung womöglich durch Haushalts- oder Industrieabwässer“, sagt Wagner, „kann eh keine Rede sein.“ Nirgendwo würden Abwässer mehr einfach so in Fließgewässer geleitet. Ahna, Losse, Wahlebach, Grunnelbach, Dönchebach oder die Drusel seien biologisch alle völlig in Ordnung.

Dem Phänomen achtlos weggeworfenen Abfalls begegne Kasselwasser regelmäßig mit Müllsammlungen. „Alle größeren Fließgewässer in Kassel werden einmal im Monat von einer beauftragten Firma abgefahren, um Müll aufzusammeln“, sagt Wagner. Der monatliche Zyklus habe sich bewährt. „In vier Wochen kommt immerhin soviel Zeug zusammen, dass sich das Abfahren auch lohnt“. Wie viel Abfall jedes Jahr aus den Fließgewässern Kassels gefischt werde, ließe sich aber kaum abschätzen.

Ins gleiche Horn stößt das Regierungspräsidium Kassel. „Vermüllung der Flüsse und Bäche in Kassel ist keinesfalls ein Problem“, sagt Sprecher Michael Conrad. Alles bewege sich im Rahmen.

Für Breitbarth ist das kein Grund, seine Forschungen einzustellen. Er will bis März 2014 herausbekommen, auf welche Wege genau plastikhaltige Abfälle in die Umwelt und Fließgewässer – vor allem in die Ahna – gelangen.

Auf der Spur ist er dabei auch heimtückischem Abfall –wie jenen Mikropartikeln aus Plastik, die in Kosmetikprodukten enthalten sind. „Diese Form der Verschmutzung wird künftig eine größere Rolle spielen“, sagt Breitbarth. Die Mikropartikel gelangten über die Flüsse ins Meer, wo sie von Fischen und Muscheln aufgenommen werden – „letztlich landet das alles wieder bei und auf dem Teller.“

Von Boris Naumann

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.