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Akkordeon Orchester Kassel sucht Nachwuchs

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Von: Anna Lischper

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Ingrid Haschemi (von links), Arwed Ludwig, Dagmar Geese und Dirigent Markus Gellrich stehen hinter ihren Akkordeons.
Gehören zum 20-köpfigen Akkordeon-Orchester: Ingrid Haschemi (von links), Arwed Ludwig, Dagmar Geese und Dirigent Markus Gellrich laden zum Workshop am Freitag ein. Instrumente zum Ausprobieren stehen bereit. © Anna Lischper

Wer ein Akkordeon beherrscht, kann Musik machen, die wie ein Orchester aus verschiedenen Instrumenten klingt. Ein Orchester aus vielen Akkordeons hingegen ist klanggewaltig.

Diese Wucht an Klang ertönt jeden Mittwoch in der Auferstehungskirche an der Mombachstraße, wo das Kasseler Akkordeon-Orchester probt. Auf der Suche nach Nachwuchs kommen die Akkordeonisten jetzt für einen Workshop in die Königsgalerie in der Innenstadt.

Kassel - Anfänger, erfahrene Akkordeonisten, Hobbymusiker, die vor Jahrzehnten mal gespielt haben – der Workshop am Freitag soll alle ansprechen. „Hier muss mal eine neue Hüfte her, dort hat einer Urlaub – wenn das Orchester langfristig bestehen soll, brauchen wir Nachwuchs“, sagt Dirigent Markus Gellrich. Mit seinen 25 Jahren ist er der Jüngste in der Gruppe – und zugleich der Professionellste. Sein Studium an der Musikakademie Louis Spohr hat er dieses Jahr abgeschlossen und arbeitet seitdem freiberuflich als Akkordeonlehrer, -spieler und eben als Dirigent. Das älteste Mitglied habe das Orchester jüngst mit 90 Jahren verlassen, und Gellrich schwebt die Gründung eines weiteren Orchesters für den Nachwuchs vor.

Über einen persönlichen Kontakt hat Arwed Ludwig, der Vorsitzende des Vereins, einen Raum in der Königsgalerie organisiert, in dem sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene während des Workshops mit dem vielseitigen Instrument vertraut machen können. „Wir wollten bewusst in die Innenstadt gehen, damit die Leute nicht in die abgelegene Mombachstraße kommen müssen“, so Ludwig, der den Verein 1983 mitgegründet hat und seit mehr als 25 Jahren den Vorsitz innehat. Mit dieser jahrzehntelangen Treue ist er nicht der einzige im 20-köpfigen Orchester: Auch seine Vertreterin Dagmar Geese (55) war in den 1990er-Jahren schon einmal dabei, hat pausiert und stieg vor zwei Jahren wieder ein. Ingrid Haschemi (79), eigentlich Pianistin, sprang 1989 bei einem Konzert spontan für die Bassstimme ein. Das regelmäßige Spiel auf dem Bass-Akkordeon habe sie letztlich dazu gebracht, auch das normale Akkordeon zu spielen. Seit einem halben Jahr nimmt sie nun Unterricht bei Gellrich, der einige Orchester-Mitglieder einzeln unterrichtet.

Alle sind sich einig: Die scherzhafte Bezeichnung als Quetschkommode wird diesem Instrument nicht gerecht. Wer Haschemi und ihren Orchesterkollegen zuhört, versteht schnell, dass mit diesem Instrument viel mehr drin ist als Seemannslieder und Ufftata. Das Repertoire, das sechs bis sieben Mal im Jahr auf Konzerten präsentiert werde, reiche von klassischer Akkordeonliteratur über Neue Musik bis hin zu Stücken von Abba und Supertramp. 238 Umschläge mit Sätzen habe man im Regal stehen.

So vielfältig wie die Stückauswahl ist auch die Spieltechnik. „Es kann leise und laut, schnell und langsam sein, und man kann es als Percussioninstrument nutzen. Ich vergleiche das Akkordeon gern mit einer Orgel – wegen seiner Klanggewalt, aber auch wegen der Art der Klangerzeugung“, sagt Gellrich. Nur dass man sich beim Spielen eben nicht auf die Finger schauen könne. Das Akkordeonspiel verlange eine ordentliche Portion Koordination, fördere diese aber auch. „Hinsetzen und ausprobieren ist die beste Herangehensweise“, sagt Gellrich. Und wer sicher genug auf dem Instrument ist, der kann sich freuen auf das Mitspiel in dem klanggewaltigen Orchester.

Info: Freitag, 25. November, Königsgalerie, Eingang gegenüber C&A. 15-16.30 Uhr Workshop für Kinder, 17-18.30 Uhr Erwachsene. Teilnahme kostenlos, Anmeldung unter mail@akkordeon-orchester-kassel.de. Nächstes Konzert: 11.12. 20 Uhr, Heilhaus.

(Anna Lischper)

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