Kampagne: Städtische Werke und Polizei warnen vor unseriösen Geschäften

Aktion gegen Haustür-Abzocke

Warnen vor Abzocke an der Haustür: Polizeipräsident Eckhard Sauer (links) und Werke-Vorstand Stefan Welsch. Foto:  Pflüger-Scherb

Kassel. „Die Städtischen Werke sind pleite.“ Kai Wachholder, Leiter des Vertriebs der Städtischen Werke, macht ein Beispiel, mit was für Sprüchen unseriöse Anbieter versuchen, den Menschen an der Haustür neue Stromverträge zu verkaufen. Auch mit Lügen, denn das Kasseler Versorgungsunternehmen ist natürlich nicht insolvent.

„Unsere Kunden werden bei solchen Begegnungen an der Haustür unter Druck gesetzt und bedroht“, sagt Werke-Vorstandschef Stefan Welsch. Von den 123 000 Strom- und den 50 000 Erdgaskunden der Werke in Kassel hätten 20 Prozent bei einer Befragung erklärt, dass sie 2011 bei Haustürgeschäften, bei denen sie einen neuen Stromvertrag hätten abschließen sollen, belästigt worden seien. Einige der Verkäufer, der sogenannten Strom-Drücker, behaupteten, bei den Werken zu arbeiten und würden gefälschte Ausweise vorlegen.

Um dagegen vorzugehen, starten die Städtischen Werke eine Aktion mit Unterstützung des Polizeipräsidiums Nordhessen. Ab heute werden zwei Aufkleber an jeden Kasseler Haushalt verteilt. „Nein! Ich mache keine Haustürgeschäfte“ steht auf einem, auf dem anderen sind Sicherheitstipps zu lesen, die man bei einem Haustürgeschäft unbedingt beachten sollte (siehe Tipps).

„Für die Prävention machen wir alles, deshalb unterstützen wir diese Kampagne“, sagt Polizeipräsident Eckhard Sauer. Er weist allerdings darauf hin, dass es auch den ein oder anderen seriösen Geschäftsmann gibt, der an der Tür klingelt, um seine Ware (zum Beispiel Tiefkühlkost oder Staubsauger) anzubieten. „Seriöse Betriebe, die an die Haustür kommen, melden sich aber vorher an“, sagt Welsch.

Besonders ältere Menschen und jene, die Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache haben, fielen auf die Geschäfte zwischen Tür und Angel rein, sagt Wachholder. Stadtteile wie Rothenditmold, Waldau und die Nordstadt seien besonders betroffen. „Die Höflichkeit verbietet es älteren Menschen oft, die Verkäufer an der Haustür abzuweisen.“

Warnung vor Trickbetrügern

Die Polizei warnt in diesem Zusammenhang auch vor Trickbetrügern an der Wohnungstür. „Wenn der Fuß erst einmal in der Tür steht, ist es zu spät“, sagt Horst Reuter von der Präventionsabteilung.

Dass die Geschäfte an der Haustür mit dem Strom nicht immer ganz seriös und günstig seien, stellen die Städtischen Werke an folgenden Zahlen fest: Von den 4000 Kunden, die pro Jahr bei den Werken ihren Vertrag kündigten, kommen laut Wachholder 2000 wieder zurück. Dort habe sich dann herausgestellt, dass der vermeintlich günstigere Partner im Endeffekt teurer als die Werke sei.

Mittlerweile gebe es eine Schwemme von Stromanbietern, sagt Welsch, jede Woche komme ein neuer hinzu. „In Kassel haben wir 170 bis 180 Tarife am Markt. Da sind viele dabei, die nicht seriös sind.“ Die Werke böten nur zwei Tarife an.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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