Ikea ließ sich von Kunststudenten Sitzmöbel verschönern - Benefiz-Versteigerung

Aktion auf der Karlswiese: 90 Stühle zum Ikea-Geburtstag in der Aue

Kassel. Mit erschöpftem Blick steht Florian Wolf (28) in der Karlsaue vor seinem Kunstwerk - einen bunten Stuhl, auf den er einen Waschbären gemalt hat. In seinen Haaren kleben Reste der Farbe. Der Kunststudent aus Fritzlar hat die Nacht durchgearbeitet, um seinen Stuhl neben den 89 anderen vor der Orangerie einreihen zu können.

Zum 30. Geburtstag von Ikea in Kassel hat das Möbelhaus am Freitag gemeinsam mit der Kunsthochschule jeweils 30 Stühle für jedes Jahrzehnt vor der Orangerie aufgestellt. „Ikea macht Möbel für die vielen. In der documenta-Stadt Kassel machen wir daher Kunst für die vielen“, sagt Tom Meyer, Ikea-Niederlassungsleiter in Kassel.

Die Zusammenarbeit entstand durch Zufall. Die Südkoreanerin Jea Yun Lee (33) ist Kunststudentin und hat einen Job bei Ikea. Als ihre Kollegen von ihrer künstlerischen Ader erfuhren, entstand die Idee. „Das Engagement war groß. Ich bin sehr stolz auf alle“, sagt sie glücklich.

Ihr Freund und Landsmann Sung-Hern Lee (37) hat zwei Stühle zu Kunst verwandelt. „Der Stuhl ist ein Teil unseres Lebens. Man sitzt einfach drauf. Auf ihm ist jeder Mensch gleich.“ Er steht vor seinem Kunstwerk, auf dem er mit einem Messer fein säuberlich das Wort „Neu“ in den Sprachen der Länder in aller Welt mit Ikea-Standorten gekratzt hat. „Deshalb habe ich sogar auf Bulgarisch und Arabisch geschrieben“, sagt Sung-Hern Lee.

Von den Spaziergängern wird das Kunstwerk positiv aufgenommen. Günter Sandmann geht jeden Morgen mit seinem Hund Pollux in der Aue Gassi und findet die Stühle eine gelungene Sache. Zunächst sei er neugierig und erstaunt gewesen. „Ich könnte mir sogar einen von den Stühlen bei mir zu Hause vorstellen.“ Leider aber habe er keinen Platz, schränkt der Kasseler ein.

Alle, die wissen, wohin mit einem der 90 Geburtstagsstühle, können am Samstag, 21. Mai, an einer Versteigerung teilnehmen. Ort und Uhrzeit stehen noch nicht fest. Die Erlöse werden der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) gespendet, die sie für die schrittweise Wiederherstellung des barocken Reitzirkels in der Karlsaue ausgeben will.

Für die Studenten gab es zum Dank noch eine Einladung - zum gemeinsamen Krebsessen bei Ikea.

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