Prof. Vahrenkamp: Konzept der Discounter könnte Vorbild für Automobilindustrie sein

Ein Aldi-Auto für alle

Richard

Kassel. Das Konzept des Discounters Aldi könnte ein Vorbild für die Automobilindustrie werden. Diese These vertritt Professor Richard Vahrenkamp von der Universität Kassel. In der Automobilindustrie verursachen laut Vahrenkamp derzeit vor allem die große Variantenvielfalt der Modelle und die Steuerung der Logistiksysteme sowie ein aufwendiges Vertriebssystem hohe Kosten von 30 bis 40 Prozent des Endpreises. Selbst bei Einstiegsmodellen etwa würden bis zu zehn verschiedene Motoren angeboten.

Im Lebensmitteleinzelhandel sei eine stetige Ausweitung des Marktanteils von Discountern wie Aldi oder Lidl zu beobachten. Auch auf anderen Gebieten nähmen Niedrigpreisangebote zu. Vor diesem Hintergrund ist für den Produktionswirtschaftsexperten die Übertragung dieser Konzeption auch auf die Autoindustrie denkbar.

Große Stückzahlen

Die Vorteile erklärt Vahrenkamp so: „Es werden Automodelle mit geringer Variantenvielfalt angeboten und sogar nur in einer einzigen Ausführung. Dann könnten erhebliche Logistik- und Steuerungskosten vermieden und die Kostensenkungspotenziale der klassischen Massenproduktion ausgenutzt werden.“

Zudem könnten Autozulieferer, die bisher durch das Konzept des Lieferantenparks zu einer fragmentarischen Fertigung gezwungen würden, große Stückzahlen produzieren. Die Verbraucherforschung habe gezeigt, dass die Kunden aufgrund der geringen Artikelzahl bei Aldi vor allem die Übersichtlichkeit und Einfachheit der Kaufentscheidung schätzten. Das Bedürfnis nach Übersichtlichkeit könnte demzufolge das Aldi-Auto mit einer geringen Variantenzahl befriedigen, der Vertrieb könnte über das Internet erfolgen. Das wird laut Vahrenkamp im jetzigen Automarkt durch die vielfachen Ausstattungsvarianten verhindert.

Sie erfordern die Beratung bei einem teuren Händlerstützpunkt. „Dieses Problem führt so zu den bekannten hohen Vertriebskosten und verhindert zugleich einen kostengünstigen Vertrieb über das Internet“, sagt er.

Wegen der geringen Variantenzahl würde dieses Problem beim „Aldi-Auto“ wegfallen. Dabei schwebt Vahrenkamp kein Einfachauto vor, sondern eines mit einem gewissen Niveau an Ausstattung, das mithilfe der Marktforschung bestimmt werden müsse.

Außereuropäische Hersteller

Ein Problem sieht der Wissenschaftler darin, dass die Fahrzeughersteller ihre angestammten Produktlinien gefährden, wenn dagegen ein Aldi-Auto gesetzt würde. „Die Hersteller befinden sich in einer durch die Variantenvielfalt aufgebauten Falle, aus der sie nur schwer herauskommen“, sagt Vahrenkamp. Wahrscheinlich sei das Aldi-Auto eine Aufgabe für außereuropäische Hersteller in Niedriglohnländern. Archivfoto: Konrad

Von Mirko Konrad

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.