Zwei Filialen in der Stadt

Alfatex: Kasseler Stoffhaus meldet Insolvenz an - was sich jetzt ändert

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Im Stoffhaus am Kö und in der Alfatex-Filiale am Lutherplatz weiterhin mit dem gewohnten Angebot und Service: Auf unserem Foto wird Monika Storm (links) von Mitarbeiterin Anette Kemper in dem Ladengeschäft in der Kurfürstengalerie beraten. 

Kassel/Fuldatal. Das Stoffhaus am Kö und die gesamte Alfatex-Gruppe sind in wirtschaftliche Schieflage geraten. 100 von bundesweit 220 Stellen sollen wegfallen. Der Verkauf in den beiden Kasseler Filialen läuft unverändert weiter.

Jünger, moderner und schlanker: Diese Ziele streben das 1969 in Kassel gegründete Stoffhaus am Kö und die gesamte Alfatex-Unternehmensgruppe an. Der jetzt eingeschlagene Sanierungskurs, bei dem 100 von bundesweit 220 Beschäftigten ihren Arbeitsplatz verlieren, muss sein, betonen Inhaberin Sylvia Kaune und Geschäftsführer Volker Kopp. Wegen Zahlungsunfähigkeit hat die Alfatex Stoffmarkt GmbH Insolvenz anmelden müssen. Davon betroffen sind alle elf Standorte. Verkauf und Service in den zwei Kasseler Filialen laufe aber unverändert weiter, versichert Kaune.

Die Ursachen

Ende 2017 hat das Amtsgericht Bochum gegen die Alfatex-Gruppe das Insolvenzverfahren eröffnet. Ausschlaggebend für die Probleme des gesamten Unternehmens seien die hochdefizitären Standorte in Köln (Du Mont Carre) und Weiterstadt gewesen. Diese Filialen sowie die zweite in Köln und die in Erfurt werden geschlossen (Bericht rechts). Die Online-Konkurrenz und die geringere Laufkundschaft betreffen quasi alle Standorte. Hauptgrund für den Insolvenzantrag seien aber die über Jahre laufenden Mietverträge für die unwirtschaftlichen Standorte gewesen. Die Insolvenz biete die Chance, vorzeitig aus diesen Verträgen herauszukommen, so Kaune.

Die Ziele

Alfatex will mit der Verschlankung und Umstrukturierung wieder den Fokus auf das Kernsortiment legen. „Unser Konzept ist die Fachberatung“, sagt Kopp. Der Online-Shop soll ausgebaut werden. Moderne Wohnstoffe und Themenwelten sollen präsentiert werden. Im Auge habe man dabei vor allem jüngere Kundschaft. Ihre Arbeit verlieren Mitarbeiter jener Filialen, die geschlossen werden. Vom Zentrallager in Ihringshausen soll die Verwaltung nach Kassel umziehen. Die Mitarbeiterzahl in Fuldatal verringere sich von etwa 40 auf 30, weil weniger Standorte auch weniger Logistik benötigten.

Die Perspektive

Ziel von Inhaberin Kaune und Geschäftsleiter Kopp ist es, mit der Alfatex-Gruppe bis Ende 2018 aus der Insolvenz raus zu sein. Sie habe sanieren und den Laden nicht an die Wand fahren wollen, sagt Kaune. „2019 wird das Stoffhaus 50 – das wollen wir feiern.“

Vier Filialen schließen

Eine aktuelle Übersicht der Alfatex-Standorte und was das Insolvenzverfahren nach Unternehmensangaben für sie bedeuten wird: 

• Kassel, Stoffhaus am Kö: unveränderter Service • Kassel, Lutherplatz: unveränderter Service • Zentrallager Fuldatal-Ihringshausen: Wegen Verlagerungen wird sich die Mitarbeiterzahl von bisher 40 auf etwa 30 verringern. • Göttingen: unveränderter Service • Erfurt: Filiale wird Ende Februar geschlossen • Weiterstadt: Filialie ist bereits geschlossen worden • Köln: beide Filialen in der Domstadt werden geschlossen • Bochum: unveränderter Service in der größten und umsatzstärksten Filiale • Bremen: unveränderter Service.

Alles fing 1969 am „Kö“ in Kassel an

Als er am 2. Mai 1969 in Kassel das Geschäft für „Stoffe, Mode- und Kurzwaren“ eröffnete, hätte sich Alfred Kaune nicht träumen lassen, dass sich aus dem „Stoffhaus am Kö“ im neuen Hochhaus an der Kölnischen Straße ein Unternehmen mit Filialen weit über die Region hinaus entwickeln würde. Aus rund 30 Mitarbeitern bei der Gründung wurden deutlich mehr als 200 Beschäftigte in elf Filialen zur Höchstzeit 2017. Wegen des großen Erfolgs eröffnete der aus Köln stammende Kaune weitere Standorte. Am Firmensitz Kassel kamen zum Stoffhaus am Kö oberhalb des Königsplatzes die Alfatex-Läden am Lutherplatz (seit 1976) und im dez-Einkaufszentrum (von 1985 bis Anfang der 1990er-Jahre) hinzu. Es folgten Filialen in Hagen, Bochum, Bremen, Köln, Weiterstadt und Erfurt. Das Geschäft hat der Gründer Mitte der 90er-Jahre in die Hände von Tochter Sylvia Kaune gelegt, die seit 15 Jahren von Geschäftsführer Volker Kopp unterstützt wird. Noch heute ist die Alfatex-Gruppe nach eigenen Angaben das bundesweit größte private Fachgeschäft für Modestoffe, Gardinen, Haustextilien und Kurzwaren. Eine Million Meter Stoff befindet sich im Zentrallager Ihringshausen. 

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