Landgericht: Nach Berufung kassierte 49-Jähriger höhere Haftstrafe als in der ersten Instanz

Alkoholiker-Karriere ging im Knast weiter

Kassel. Der 49-jährige Angeklagte hatte mit seiner Berufung kein Glück: Das Amtsgericht hatte ihn wegen diverser Vergehen noch zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten verurteilt. Das war ihm zu viel gewesen. Doch das Landgericht Kassel brummte ihm noch zwei Monate mehr auf.

Es war eine lange Liste von Anklagepunkten, die das Amtsgericht Ende vergangenen Jahres verhandelt hatte: Beleidigung, Bedrohung, Körperverletzung – meist unter Alkohol begangen. Die Alkoholiker-Karriere des Angeklagten dauert bereits fast 30 Jahre, und sein Vorstrafenregister listet diverse Einträge auf. Inzwischen gibt es schon wieder neue Anklagen.

In der Berufungsverhandlung vor der 7. Kammer ging es nur noch um drei Taten. Einige andere waren wegen Geringfügigkeit eingestellt worden. Im Juni 2010 hatte der nun 49-Jährige laut Anklage in dem Mietshaus randaliert, in dem er damals wohnte. Er klingelte an der Tür eines Ehepaares Sturm, beschimpfte es – unter anderem drohte er, das Paar zu erschießen – und demolierte die Wohnungstür.

Anfang Oktober 2010 war er dann mit einem Bekannten nach einem Saufgelage in der Innenstadt unterwegs. Als die beiden an dem Zelt vor dem Rathaus vorbei kamen, in dem zwei Iraner wegen eines Hungerstreiks campierten, warf er einem von ihnen übelste Schimpfworte an den Kopf.

Während es da noch bei verbalen Attacken blieb, wurde der 49-Jährige wenige Tage später beim Musikförderverein Ölmühlenweg handgreiflich. Wieder hatte er einiges getrunken und sich nicht mehr im Griff. Es kam, wie Zeugen berichteten, zu einem Streit über das Handy des Angeklagten, das ihm angeblich gestohlen worden sei. Auf dem Höhepunkt des Geplänkels versetzte der 49-Jährige einem Kneipenbesucher eine Kopfnuss und verletzte ihn an der Lippe.

Die Taten seien wegen des hohen Alkoholpegels zwar im Zustand verminderter Schuldfähigkeit begangen worden, doch es habe in allen drei Fällen noch einen „Rest an Steuerungsvermögen“ gegeben, sagte Rechtsmediziner Manfred Riße. Die meisten Handlungen des Angeklagten seien jedenfalls noch relativ „zielgerichtet“ gewesen.

Keine Besserung in Sicht

Die verminderte Schuldfähigkeit war dann auch das Einzige, was Richterin Marion Gerstung-Vindelstam zu Gunsten des Angeklagten anrechnete. Die vom Gericht ausgeurteilten elf Monate werden nicht zur Bewährung ausgesetzt, die Richterin begründete diese Entscheidung damit, dass dem Angeklagten keine positive Sozialprognose ausgestellt werden könne. Er sei seit Jahren alkoholabhängig, und „er tut nichts, um davon wegzukommen“. (pas)

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