Anwohner äußern sich

Kassel: Alkoholverbot auf Partymeile - Stadt zieht Konsequenzen nach Beschwerden

Vermüllt: So sah der „Platz der elf Frauen“ am Donnerstagmorgen (03.06.2021) aus.
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Vermüllt: So sah der „Platz der elf Frauen“ am Donnerstagmorgen (03.06.2021) aus.

Nachdem es Beschwerden von Anwohnern gegeben hat, spricht die Stadt Kassel ein Alkoholverbot für den „Platz der elf Frauen“ aus. Die Kneipen sind nicht betroffen.

Kassel – Anwohner der Friedrich-Ebert-Straße in Höhe des „Platzes der elf Frauen“ schlagen Alarm: Nachdem vergangene Woche in Kassel die Ausgangssperre wieder gefallen und das Wetter besser geworden ist, würden sie von feiernden Menschen vor ihrer Haustür massiv belästigt. Durch Lärm und Müll. Einige Anwohner berichten sogar von Bedrohungen durch die alkoholisierten Menschen.

Die Stadt Kassel hat am Montag (07.06.2021) reagiert: Noch vor dem Wochenende soll der Alkoholkonsum in diesem Bereich verboten werden, teilt Stadtsprecher Michael Schwab mit. Die Friedrich-Ebert-Straße und angrenzende Straßenzüge und Plätze würden als publikumsträchtige öffentliche Bereiche ausgewiesen. Auf solchen Flächen verbiete die Corona-Kontakt- und Betriebsbeschränkungsverordnung des Landes den Konsum von Alkohol.

Die Allgemeinverfügung der Stadt werde diesbezüglich angepasst. Die Kneipen auf der Meile seien von diesem Verbot nicht betroffen. Schwab kündigt auch an, dass die Präsenz von Ordnungskräften deutlich zunehmen werde. Fehlverhalten und Regelverstöße würden konsequent geahndet.

Kassel: Platz auf Partymeile bereits mehrfach völlig zugemüllt

Wie die HNA berichtet hatte, war der „Platz der elf Frauen“ bereits in der Nacht zu Fronleichnam völlig vermüllt worden. In den Nächten zu Samstag und Sonntag habe sich die Situation sogar noch verschlimmert, berichten Anwohner. Bis in die Morgenstunden um 7 Uhr sei es sehr laut gewesen. Weder die Maskenpflicht noch Abstandsregeln seien eingehalten worden. Die Feiernden hätten sich neben Alkohol auch Gettoblaster mitgebracht. Man habe mehrfach die Polizei gerufen. Die sei zwar gekommen, habe aber nichts unternommen. „Die Polizei ist absolut hilf- und machtlos“, sagt ein Anwohner. Die Beamten hätten erklärt, sie hätten nicht ausreichend Kräfte, um sich durchzusetzen.

Nach Angaben von Polizeisprecher Matthias Mänz ist die Polizei die ganze Nacht über präsent gewesen und habe auch mehrfach wegen Missachtung der Corona-Regeln und Störung der Nachtruhe einschreiten müssen. Dabei habe man auf ein „kommunikatives Vorgehen mit Augenmaß“ gesetzt. Man werde die Gespräche mit der Stadt fortsetzen, um ein gemeinsames Vorgehen eng abzustimmen, zumal die Europameisterschaft Ende der Woche beginnt.

Der Stadtsprecher machte klar, dass es während der Fußball-EM kein Public Viewing auf Plätzen in der Stadt geben wird.

Chaos auf der Partymeile in Kassel: „Das geht gar nicht“

„Es ist verständlich, dass es die Leute wieder nach draußen drängt. Aber sie können doch ihren Müll wieder mitnehmen“, sagt Dirk van der Werf von „Joe’s Garage“. Auch wenn der Gastronom Verständnis für junge Menschen hat, die nach all den Einschränkungen jetzt wieder Party machen wollen, so kann er den Unmut der Anwohner der Friedrich-Ebert-Straße verstehen. „Was da auf dem Platz am Wochenende abgegangen ist, das geht gar nicht“, sagt van der Werf.

Die Wirte der Friedrich-Ebert-Straße seien froh, dass sie ihre Läden endlich wieder aufmachen dürften, und würden sich an alle Regeln halten, so van der Werf. Die Leute, die sich jetzt auf dem „Platz der elf Frauen“ aufhielten und die Anwohner verärgerten, hätten sich ihre Getränke wohl selbst mitgebracht.

Anwohner berichten, dass einige der Feiernden am Wochenende „mit dicken Karren“ vorgefahren seien und den ganzen Kofferraum voll Flaschen gehabt hätten. Zudem würden sich die Leute beim Spätkauf um die Ecke mit Nachschub eindecken.

Kassel: 75-jährige Anwohnerin von Partymeile wird bedroht und belästigt

Solche Szenen bis in die frühen Morgenstunden wird es am kommenden Wochenende wohl nicht mehr geben. Denn die Stadt hat am Montag angekündigt, in dem Bereich ein Alkoholverbot auszusprechen. Rechtliche Grundlage ist laut Stadtsprecher Michael Schwab die Corona-Kontakt- und Betriebsbeschränkungsverordnung des Landes Hessen. Dieses Verbot gilt nicht für die umliegenden Kneipen an der Partymeile.

Die Anwohner des „Platzes der elf Frauen“ wird diese Entscheidung der Stadt Kassel freuen. Am Samstagabend sei es ja nicht mal möglich gewesen, einen Mitarbeiter der Stadtpolizei ans Telefon zu bekommen, sagt eine Anwohnerin.

Ein Anwohner beschreibt die Zustände folgendermaßen: Was auf dem „Platz der elf Frauen“ und der „Grünen Banane“ in den letzten Nächten geschehen ist, könne nur als „Massenbesäufnisse in einem rechtsfreien Raum“ deklariert werden. „Vor unserer Haustür alles voll Scherben und Müll, all unsere Flächen und auch vor den Garagen auf dem Hof wurden von unfassbaren Menschenmassen als Toilette benutzt, die ganzen Nächte. Kot, Urin und Erbrochenes liegen überall herum. Zwischen den Autos, neben den Mülltonnen, an den Hauswänden. Hoffentlich regnet es bald ausgiebig.“

Eine 75-jährige Mieterin berichtet, dass sie sich am Samstagabend nicht mehr aus ihrer Wohnung getraut habe, weil sie zuvor von jungen Männern vor der Haustür aufs Übelste in sexueller Weise beleidigt wurde. Ihr wurde eine Massenvergewaltigung angedroht. „Es kann doch nicht sein, dass wir in der Wohnung bleiben müssen, weil wir Angst haben, rauszugehen“, sagt die Frau.

Das sagt die Polizei Kassel: „Vorgehen mit Augenmaß“ auf Partymeile

Der Wegfall der Ausgangsbeschränkungen bei den sommerlichen Temperaturen habe am Wochenende auch in Kassel vielerorts zu Problemen geführt, so Polizeisprecher Matthias Mänz. Die Polizei habe aus dem gesamten Stadtgebiet und schwerpunktmäßig aus dem Vorderen Westen zahlreiche Anrufe mit Beschwerden wegen Ruhestörung durch größere Personengruppen erhalten. Die Polizei habe relevante Örtlichkeiten bereits verstärkt im Blick gehabt und auf der Friedrich-Ebert-Straße nachts dauerhaft Präsenz gezeigt.

„Mit Blick auf die derzeit geltenden Beschränkungen der Corona-Verordnungen erfolgte durch die Einsatzkräfte, wie von Beginn der Pandemie an, ein kommunikatives Vorgehen mit Augenmaß. Zudem wurden mehrere Personengruppen wegen nächtlicher Ruhestörung ermahnt oder letztlich des Platzes verwiesen“, so Mänz. Mehrfach eingeschritten seien die Beamten am „Platz der elf Frauen“, wo sich immer wieder größere Personengruppen unter Missachtung der Corona-Regeln und Störung der Nachtruhe angesammelt hätten.

Die Polizei nehme die Sorgen und vermehrten Beschwerden der Anwohner ernst. Mit Blick auf die mitunter problematischen Zustände durch zahlreiche Ruhestörungen, Vermüllung und größere Personengruppen würden die bereits bestehenden Gespräche mit der Stadt Kassel fortgesetzt, um für die kommenden Wochen ein gemeinsames Vorgehen eng abzustimmen. (Ulrike Pflüger-Scherb)

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