Allah im Klassenzimmer

An zwei Schulen wird seit diesem Schuljahr Islamunterricht angeboten

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Premiere: Religionslehrerin Pinar Cevik und Schüler im Islamunterricht an der Carl-Anton-Henschel-Schule.

Kassel. An den Grundschulen Brückenhof-Nordshausen und Carl-Anton-Henschel-Schule (CAS) in der Nordstadt steht seit diesem Schuljahr islamischer Religionsunterricht auf dem Lehrplan. „Das Angebot ist freiwillig“, sagt CAS-Leiterin Martina Bleckmann.

Umso mehr freue sie sich über das große Interesse am neuen Schulfach – sowohl der Eltern als auch der 24 Kinder, die für die zwei Stunden Islamunterricht pro Woche angemeldet wurden. Die Identifikation der Kinder mit dem Unterricht sei groß. „Der Islamunterricht ist dicht an ihrem Leben dran“, sagt Bleckmann: „Ich bin davon überzeugt, dass der Unterricht zum Dialog der Religionen beiträgt.“

Im Unterricht von Lehrerin Pinar Cevik, die an beiden Kasseler Schulen tätig ist, wird diese Woche das anstehende Opferfest behandelt. Jeder kann dazu etwas sagen und gleichzeitig gibt es viele Fragen. Hassan, Elva, Semik, Assia und alle anderen sind voll und ganz bei der Sache.

27 Schulen in Hessen

Erstmals werden seit Ende August an 27 hessischen Schulen 440 Grundschüler im Fach Islam unterrichtet. Der sogenannte „bekenntnisorientierte islamische Religionsunterricht“ wird nach staatlichen Lehrplänen und von staatlichen Lehrkräften in deutscher Sprache unterrichtet. In diesem Schuljahr wird er noch ausschließlich in ersten Klassen angeboten. Nach vier Jahren soll der Unterricht in allen Jahrgängen der beteiligten Grundschulen eingeführt werden. Mittelfristig soll je nach Bedarf unterrichtet werden, heißt es aus dem Kultusministerium.

Den Unterricht gestalten 19 hessische Lehrer muslimischen Glaubens, die bereits im Schuldienst tätig waren. Im Vorfeld gab es eine einjährige Fortbildung an der Uni Gießen. Noch bis April müssen sich die Lehrer weiterbilden. Die staatlichen Lehrpläne wurden vom Kultusministerium zusammen mit der islamischen Organisation Ditib (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) und der reformistischen islamischen Glaubensgemeinschaft Ahmadiyya entwickelt. An denen für die Kasseler Schulen hat die sunnitische Ditib Hessen mitgearbeitet.

Hessen ist laut Kultusministerin Nicola Beer (FDP) das erste Bundesland, das bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht „auf der Grundlage des Grundgesetzes“ eingeführt hat. „Das bedeutet, dass es sich um ein ordentliches Schulfach unter Aufsicht des Staates handelt“, sagt Bleckmann. Bereits im vergangenen Jahr war in Nordrhein-Westfalen Islamunterricht als Versuch gestartet.

Von Christina Hein

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