Erika Steiner erinnert sich

Als 16-Jährige den Luftangriff erlebt: „Alle Bäume brannten“

Abgebrannt: Ursula Steiner mit einem Foto ihres Elternhauses, das in der Bombennacht zerstört wurde. Foto: Koch

Erika Steiner erinnert sich an die Bombennacht: "Ich war 16 Jahre alt, Lehrling bei einer Bank, hatte Postdienst und musste noch zum Postamt am Königsplatz.

Das muss etwa um 19 Uhr gewesen sein, denn um 20 Uhr hatte ich BDM-Dienst in der Friedrichstraße. Auf dem Weg dorthin heulten die Sirenen: Fliegeralarm. Schon krachte es, war es die Flak oder schon die Bomben, man hörte auch Flugzeuge, ganze Verbände mussten es sein. Ich rannte los, wollte nur noch nach Hause.

Ein Mann und eine Frau fassten mich an den Arm und riefen mir zu, dass ich mit ihnen in einen Bunker kommen sollte. Der Lärm von Flugzeugen und Explosionen wurde immer lauter. Endlich erreichten wir den Luftschutzstollen in der Viktoriastraße.

Ich weiß nicht, wie viel Stunden ich in dem Stollen verbrachte, aber die Angst vor dem, was noch kommen würde, wurde immer größer. Man hörte das Heulen der Bomben, dann die Explosionen. Plötzlich wurde bekannt gegeben, dass der Stollen geräumt werden musste. Es drohte Erstickungsgefahr wegen Sauerstoffmangel.

Zwei Männer zerrten mich die Treppe hoch und stießen mich zum Ausgang. Ich schrie laut auf, denn ich sah nur noch ein Flammenmeer. Ich wollte wieder zurück in den Stollen, man packte mich und schubste mich vom Eingang weg, riss mir den Schal ab, tauchte ihn in eine Wanne mit Wasser, und drückte ihn mir dann vor das Gesicht.

Ich rannte durch die Kölnische Straße, sah nur noch Feuer. Alle Bäume brannten. Ein brennender Ast fiel auf meine Füße. Ich spürte keinen Schmerz, die Angst trieb mich nach Hause. Als ich dort ankam, waren von unserem Haus nur noch lodernde Flammen zu sehen.

Mein Vater war im Krieg, meine Mutter wurde dienstverpflichtet nach Westfalen, nur eine alte Tante stand da, starr vor Schreck. Wo wir beide die Nacht verbracht haben, weiß ich nicht mehr, aber vermutlich auf der Straße. Ich glaubte, irgendjemand hat uns beide eine warme Decke umgelegt.

Das alles ist noch in meinem Gedächtnis, als wäre es gestern gewesen."

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