Tina Pfurr spielt Deutschlands populärste Werbefigur

Ingrid aus der Indeed-Werbung: Das ist die Frau, die alle lustig finden

Beim Dreh im Frankfurter Waldstadion: In einem Spot für die Job-Börse Indeed ist Tina Pfurr mit den Eintracht-Profis (von hinten) Filip Kostic, Kevin Trapp und André Silva zu sehen.
+
Beim Dreh im Frankfurter Waldstadion: In einem Spot für die Job-Börse Indeed ist Tina Pfurr mit den Eintracht-Profis (von hinten) Filip Kostic, Kevin Trapp und André Silva zu sehen. Eigentlich leitet die Schauspielerin das freie Theater Ballhaus Ost in Berlin.

Ingrid aus der Werbung für die Job-Börse Indeed ist wahrscheinlich Deutschlands populärste Werbefigur. Gespielt wird sie von Tina Pfurr aus Kassel, die auch schon im „Tatort“ zu sehen war.

Kassel/Berlin – Seit einigen Monaten wird Tina Pfurr im Alltag immer wieder gefragt: „Ingrid, hast du einen Job für mich?“ Das ist doppelt erstaunlich. Zum einen heißt die 40-Jährige ja Tina und nicht Ingrid. Zum anderen trägt sie wie alle anderen oft eine Maske. Und trotzdem erkennen viele die gebürtige Kasselerin als Ingrid aus der Werbung für die Job-Börse Indeed.

Es ist nicht übertrieben zu sagen: Tina Pfurr alias Ingrid ist gerade die populärste Werbefigur im deutschen Fernsehen. Für alle, die sie noch nicht gesehen haben, die vergangenen Monate also verschlafen haben müssen: In den Spots beschwert sich ihre Figur, dass sie und alle anderen Ingrids es schwer haben, weil ihr Name ständig mit Indeed verwechselt wird. Und dann fragt meist jemand: „Ingrid, hast du einen Job für mich?“

Im lustigsten Spot bittet Ingrid die Fußballer Kevin Trapp, Filip Kostic und André Silva im Frankfurter Waldstadion um ein Autogramm: „Für Ingrid.“ Die Eintracht-Profis fragen aber zurück: „Für Indeed? Unseren Sponsor?“ Eine nicht repräsentative Umfrage im Bekanntenkreis ergab: Es gibt niemanden, der das nicht saukomisch findet. Dabei polarisiert erfolgreiche Werbung oft.

Tina Pfurr selbst sagt: „Die Werbung ist sehr lustig und nicht nervig. Und ich bin krass witzig als Ingrid.“ Nicht nur für die US-Firma ist die von der Hamburger Agentur Grabarz & Partner umgesetzte Kampagne eine krasse Erfolgsgeschichte.

Gegenüber einem Werbemagazin hat ein Indeed-Manager festgestellt: „Ingrid stößt auf eine außergewöhnliche Resonanz in unserer Zielgruppe.“

Es ist aber auch eine ungewöhnliche Erfolgsgeschichte für Pfurr, die eigentlich Theaterleiterin im Ballhaus Ost in ihrer Wahlheimat Berlin ist, zuletzt aber immer wieder auch in Nebenrollen in TV und Kino zu sehen war.

Wenn alte Schulfreunde sie etwa im HR-Tatort „Und täglich grüßt das Murmeltier“ an der Seite von Ulrich Tukur entdecken, bekommt sie nach Jahren plötzlich Facebook-Nachrichten von ihnen. Darüber freut sie sich ebenso wie über den Ingrid-Spruch im Alltag.

Im Kino spielte Pfurr mit Corinna Harfouch in „Lara“. Und in der ZDF-Krimireihe „Friesland“ hat sie seit Kurzem eine feste Nebenrolle neben dem ebenfalls aus Kassel stammenden Maxim Mehmet. „Wenn ich ihn beim Dreh treffe, reden wir oft Kasseler Platt“, sagt Pfurr, die über ihr Privatleben kaum etwas verrät.

Schon beim Schultheater an der Kasseler Albert-Schweitzer-Schule träumte sie von einer Karriere auf der Bühne. Als sie nach dem Abi nach Berlin zog, bewarb sie sich an mehreren Schauspielschulen – ohne Erfolg. „Vielleicht ist das doch nicht das Richtige für dich“, dachte sie sich, studierte Germanistik und Philosophie an der TU und arbeitete nebenher als mitspielende Souffleuse an der Volksbühne.

Am Ballhaus Ost war sie zunächst Produktionsleiterin. Mittlerweile leitet sie das Theater seit zehn Jahren mit einem Kollegen. Sie ahnt, dass es wegen Corona wohl noch eine Weile dauern wird, ehe sie wieder aufmachen dürfen: „Es ist ein ständiges Auf und Ab.“

Mit Regisseur Kai Wiesinger, der sie schon für seine Web-Serie „Der Lack ist ab“ besetzt hatte, wird sie weitere Indeed-Spots drehen. Bislang gibt es sechs Folgen. Und im Frühling soll in den Kinos Marcus H. Rosenmüllers Komödie „Beckenrand-Sheriff“ anlaufen, in der Pfurr an der Seite von Milan Peschel zu sehen sein wird. Es läuft also trotz Lockdown ziemlich gut für sie. Eine Job-Börse braucht sie nicht.

Die Indeed-Spots sieht Pfurr übrigens nur, wenn sie bei ihren Eltern in Kassel zu Besuch ist. Sie selbst hat keinen Fernseher und schaut lieber Netflix. Dabei sind viele Komödien dort nur halb so lustig wie Ingrid. (Matthias Lohr)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.