Ziel: Umwandlung der Joseph-von-Eichendorff-Schule in eine integrierte Gesamtschule

Joseph-von-Eichendorff-Schule: Alle wollen Standort retten

Die Joseph-von-Eichendorff-Schule gibt nicht auf: Unser Archivbild aus dem Jahr 2010 zeigt die Club-of-Rome-Gruppe mit Schulleiter Alexander Scheuerer (Fünfter von links) und seinen Stellvertreter Jürgen Fischer (Fünfter von rechts). Archivfoto: Koch

Kassel. Ist die Joseph-von-Eichendorff-Schule noch zu retten? „Ja, aber nur, wenn alle an einem Strang ziehen und das Kultusministerium bald entsprechende Signale aus Kassel bekommt“, sagt Schulleiter Alexander Scheuerer.

„Wir setzen nach wie vor darauf, als integrierte Gesamtschule weiterarbeiten zu können“, sagt sein Stellvertreter Jürgen Fischer: „Es ist unsere einzige Chance.“ Kommunalpolitiker jeder Couleur machen sich derzeit lautstark für den Erhalt der Gesamtschule in Bettenhausen stark. Vorausgegangen war vor zwei Wochen ein Erlass von Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP), in dem sie Schuldezernentin Anne Janz auffordert, den städtischen Schulentwicklungsplan zu überarbeiten. Aufgrund abnehmender Schülerzahlen müsse für die Gesamtschulen Hegelsberg, Carl-Schomburg-Schule und Eichendorff-Schule ein „tragfähiges Konzept“ vorgelegt werden. Als Möglichkeit zur Konsolidierung nannte sie die Auflösung des Gymnasialzweigs an der Eichendorff-Schule, die dann als Mittelstufenschule weitergeführt werden könne.

„So eine intakte Einheit wie die Joseph-von-Eichendorff-Schule darf nicht zerschlagen werden“, sagt der parteilose Donald Strube, der im Stadtparlament der FDP-Fraktion angehört. Er wirft Janz vor, kein konkretes Konzept für die Eichendorff-Schule vorgelegt zu haben, wie es die Stadtverordnetenversammlung seit Jahren gefordert habe. „Frau Henzler benötigt ein ordentliches Konzept, dann kann sie auch entscheiden“, sagt Strube: „So kann man eine Schule auch kaputt machen.“

Strube und seine Mitstreiter, Thorsten Burmeister und Matthias Nölke vom Vorstand des FDP-Kreisverbands Kassel-Stadt, fordern, dass die Kinder im Kasseler Osten die gleichen Chancen auf Schulbildung - auch auf ein Gymnasialangebot haben - wie anderswo in der Stadt. Deshalb müsse die JES als Gesamtschule erhalten bleiben. Sie vermuten, dass der zuletzt auf 15 Millionen Euro geschätzte Sanierungsbedarf am 70er-Jahre-Schulgebäude ein Grund dafür sein könnte, dass die Stadt die Schule ad acta lege.

Auch die CDU-Fraktion übt Kritik. Schuldezernentin Janz sei in den vergangenen Jahren mehrfach aufgefordert worden, ein Konzept für die Konsolidierung der JES vorzulegen. „Abwarten ersetzt keine Schulentwicklungsplanung“, sagt der schulpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Dr. Michael von Rüden. Marcus Leitschuh, ebenfalls CDU-Mitglied im Schulausschuss, weist darauf hin, dass Beschlüsse der Schulträger über die Organisationsänderung einer Schule ihre Grundlage in einem Schulentwicklungsplan haben müssen, dem vom Ministerium zugestimmt wurde. Das bedeute: Ist der Schulentwicklungsplan nicht gültig, ist auch eine Umwandlung unmöglich. Durch ihr Zaudern habe Janz jetzt Handlungsdruck erzeugt.

Die Entscheidung der Eichendorff-Schule, den Antrag auf Umwandlung in eine IGS aufrechtzuerhalten, unterstützen auch die Sozialdemokraten. Wenn auf den demografischen Wandel reagiert werden muss, dürfe das nicht bedeuten, dass ganze Stadtteile von der Schulentwicklung abgekoppelt werden, sagt der Kasseler SPD-Landtagsabgeordnete Wolfgang Decker.

Von Christina Hein

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