Schicken Sie uns Ihre Erfahrungen

Allein unter Italienern: Reise-Eindrücke im Corona-Sommer

Vernazza, einer der Orte der Cinque Terre
+
Malerisch: In Vernazza, einem der Orte der Cinque Terre, herrscht normalerweise dichtes Gedränge. Nicht so derzeit. Die Italiener genießen die Ruhe – einerseits. Andererseits warten sie auf Touristen. Viele Hotels und Restaurants sind kaum besucht.

Ausgerechnet Italien. Dass im Sommer dieses besonderen Jahres Urlaub in dem Land am Mittelmeer möglich sein würde, hätte wohl noch Ende Mai kaum jemand geglaubt.

Zu präsent waren die Bilder von überfüllten Krankenhäusern, verzweifelten Angehörigen und durch den Lockdown leer gefegte Straßen und Plätze. Wie ist es also, wenige Tage nach der Grenzöffnung und mit Ablaufen der Reisewarnung in die Toskana zu reisen? Die simple Antwort: So schön wie selten.

Nachdem die eigentlich geplante Flugreise schon im März coronabedingt abgesagt worden ist, haben wir kurz entschlossen eine Wohnung in den Weinbergen der Toskana gebucht. „Wirklich Italien?“, war die wohl häufigste Frage von Freunden und Arbeitskollegen – und nicht selten wurden wir dabei zweifelnd angeschaut.

Kaum etwas los: Auf dem berühmten Piazza del Campo in Siena sind nur wenige Menschen unterwegs.

Bereut haben wir die Entscheidung nicht. Im Gegenteil. Bei unseren Vermietern im Mini-Örtchen San Gervasio etwa 20 Autominuten von Pisa entfernt, sind wir die ersten Gäste – und es ist schwer zu sagen, wer sich bei unserer Ankunft mehr freut: wir oder unsere Gastgeber.

In den ersten Tagen beobachten wir alles noch ganz genau, irgendwann ist Corona dann aber vergessen. Kein Wunder: In der Toskana gibt es ähnlich viele Fälle wie in Hessen – etwa 10 000. Und auch die Vorgaben sind wie daheim: Maske beim Einkaufen, Maske im Restaurant auf dem Weg zum Platz. Ungewohnt ist lediglich, dass in einigen Modeläden und Museen am Eingang Fieber gemessen wird. Anders als bei uns sind auch die Schulen noch geschlossen. Und viele Italiener tragen auf der Straße eine Maske – obwohl das nicht Pflicht ist und bei über 30 Grad ordentlich warm.

Das Gefühl, beim Umherlaufen eine Maske tragen zu müssen, haben wir allerdings zu keiner Zeit. Schon allein, weil Abstand halten kein Problem ist. Touristen aus Übersee, die die großen Städte in den Sommermonaten geradezu überschwemmen, gibt es in diesem Jahr nicht. Und auch sonst sehen wir während des Urlaubs nur wenige Autos mit nicht-italienischen Kennzeichen. Florenz, Lucca, Pisa, die Orte der Cinque Terre: Es ist kaum etwas los. Allein in Siena sehen wir auf dem Parkplatz mehrere ausländische Fahrzeuge nebeneinander. Wir genießen also die entspannten Fahrten auf den sonst oft rappelvollen Straßen, den Platz am Strand und das Bummeln durch ungewohnt leere Städte. Wir sind allein unter Italienern.

Auch mittags waren auf dem Piazza dell‘Anfiteatro in Lucca nur wenige Restauranttische besetzt.

Aus Deutschland erreichen uns derweil die ersten Bilder von überfüllten Ostsee-Stränden. Und Nachrichten vom Tönnies-Skandal und den Folgen für den Kreis Gütersloh. Die sorgen in den italienischen Medien für eine Debatte darüber, ob man weiter Deutsche einreisen lassen soll – und damit womöglich mehr Coronafälle riskieren. Auf einmal schauen die Italiener skeptisch nach Deutschland, so wie wir es wenige Wochen zuvor in Richtung Süden getan haben.

In der Ferienwohnung „Podere la Pergola“ in San Gervasio, ist Corona weit weg.

Im Alltag ist davon allerdings nichts zu merken. Die Menschen, denen wir begegnen, freuen sich über die wenigen Touristen, sind gewohnt herzlich. Wir tauschen Erfahrungen über die Coronazeit aus. Dabei wird deutlich: Für Caroline Wasserfuhr und ihren Mann Daniele, unsere wunderbaren Gastgeber in der Toskana, sind die schlimmen Zustände in Norditalien weit weg. Vielmehr leiden sie und andere nun unter gestrichenen Flügen, die die Anreise der Gäste verhindern, und die Zurückhaltung der Urlauber allgemein. Viele Restaurants sind in den Mittagsstunden und abends kaum besucht, Stadtrundfahrtbusse fahren noch nicht wieder, Souvenirshop-Inhaber warten vergeblich auf Kunden.

„Darum ist es gut, dass nun alles wieder anläuft – wenn auch vorsichtig und mit Abstand“, fasst es Caroline Wasserfuhr zusammen. Auch wir würden in dieser besonderen Zeit jederzeit wieder in Richtung Italien aufbrechen. Denn der Corona-Alltag war in der wunderschönen Landschaft der Toskana ganz weit weg.

Leseraufruf: Schreiben Sie uns

Wir suchen für unsere Sommerserie Ihre Urlaubserfahrungen und -erinnerungen. Welche skurrilen Erlebnisse hatten Sie in anderen Ländern? Was unterscheidet den Urlaub früher und heute? Welche Corona-Erfahrungen haben Sie gemacht? Schreiben Sie uns entweder per E-Mail an kassel@hna.de oder per Post an die Redaktionsadresse. In den kommenden Wochen werden wir einige dieser Geschichten erzählen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.