Polizei-Projekt BASU21 widmet sich jugendlichen Straftätern - Nicht allen ist zu helfen

„Zu allem in der Lage“

Kassel. Die Klientel von Peter Hugo und seinen Kollegen hat einiges auf dem Kerbholz. Die 39 Jugendlichen, die von der Kasseler Ermittlungsgruppe BASU21 betreut werden, kommen zusammen auf 215 Straftaten.

Das Gros von 188 Taten geht dabei auf das Konto von 17 der jugendlichen Intensivtäter und reicht von Diebstahl über Raub bis zu schwerer Körperverletzung. Der jüngste Teilnehmer ist 13 Jahre, der Altersdurchschnitt liegt bei 15,4. Wie man so jung schon so sehr auf die schiefe Bahn geraten sein kann, dafür hätte auch Peter Hugo, Leiter von BASU21, gern eine hinreichende Erklärung. Häufig liege in der Familie etwas im Argen. Viele der Jugendlichen kämen aus zerrütteten Elternhäusern. „Es fehlt immer eine gewisse Struktur, es fehlt Aufmerksamkeit und eine Leitfigur“, fasst Hugo seine Erfahrungen zusammen.

Zwar nehme die Jugendkriminalität insgesamt nicht zu. Aber die Einzelfälle werden schlimmer, sagt Peter Hugo. „Das Ausmaß ist bei einigen grenzenlos. Die sind zu allem in der Lage.“ Das gehe bis zu versuchter Tötung. Betrachte man die Gruppe der jungen Straftäter, sei deren Bereitschaft zu Gewalt und Kriminalität größer geworden.

Einem Teil der Jugendlichen können die BASU21-Beamten helfen (siehe Hintergrund). Das Rezept liegt dabei näher an Sozialarbeit als eigentlicher Polizeiarbeit, sagt Hugo. Er und seine Kollegen suchen Kontakt zu der Familie, zur Schule, zum Jugendamt und weiteren beteiligten Stellen. „Dann stricken wir ein individuelles Programm, in dem die Aufmerksamkeit für den Jugendlichen eine große Rolle spielt.“ Über 200 Besuche zählt Hugo allein bei einer der Jugendlichen, die er seit fast zwei Jahren betreut.

Die betroffenen Eltern seien mit ihren Kindern meist völlig überfordert, weiß auch Gerald Hoffmann, Leiter der Abteilung Einsatz am Polizeipräsidium Nordhessen. Sie seien meist dankbar für die Hilfe der Polizei. Die jugendlichen Intensivtäter träten oft angsteinflößend auf, auch ihren Eltern gegenüber.

Peter Hugo nennt ein Beispiel: Wochenlang musste er sich von einer jungen Teilnehmerin beschimpfen und bespucken lassen, bis sie irgendwann Vertrauen fasste. Nach über einem Jahr habe sie dann gesagt: „Herr Hugo, darf ich Sie mal in den Arm nehmen?“ Die junge Frau ist auf dem richtigen Weg. Sie hat sich im vergangenen Jahr nichts zuschulden kommen lassen.

Bei etwa der Hälfte der Teilnehmer ist das nicht der Fall. „So hart es klingt: Da hilft nur wegsperren“, sagt Gerald Hoffmann. Bei einigen trage erst die Haft zur Läuterung bei. Und bei manchen selbst die nicht.

Von Katja Rudolph

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