Jährlich werden etwa 50.000 Puppen hergestellt

Alles Handarbeit: Kasseler Manufaktur Nanchen Natur verkauft Puppen in die ganze Welt

Puppenmuttis: Janah von Buttlar (links) und Juliane Krüger haben Nanchen Natur 2012 übernommen. In ihren Händen halten sie eine kleine Auswahl ihrer Produkte. Die knuffig-bunten Stoffpuppen gehen in alle Welt. Fotos: Koch

Kassel. Sie sind weich und knuffig, haben zumeist einen neutralen, aber immer unverkennbar treuen Gesichtsausdruck mit großen aufgemalten Augen, winzigen Mündern und angedeuteten Näschen: die niedlichen Puppen aus dem Hause Nanchen Natur in Kassel.

Und noch eine Gemeinsamkeit haben die „Erbsenkinder“, „Wichtel“, „Blumenfeen“, „Schnuckis“, „Pünktchenprinzen“, „Lumpenkasper“ und „Lottis“: Sie werden komplett in Handarbeit hergestellt, aus Materialien, die aus ökologisch angebauten Rohstoffen oder tierischen Produkten aus biologischer Haltung stammen.

Und sie sind extrem erfolgreich: Gemeinsam mit 15 Mitarbeiterinnen stellen Juliane Krüger und Janah von Buttlar (beide 32) jährlich etwa 50.000 Puppen in ihrer Manufaktur an der Malsburgstraße her. Sie gehen in Fachgeschäfte in aller Welt: nach Japan, Australien und Neuseeland, nach Nord- und Südamerika und sogar auf die französische Inselkolonie La Réunion im Indischen Ozean.

Das Geschäft mit den elf bis 46 Zentimeter großen, flauschigen Puppen für Kinder jeden Alters läuft prima. „Wir haben ordentlich zu tun“, sagt von Buttlar. Die Textingenieurin hat die Manufaktur mit Designerin und Freundin Krüger 2012 von den Gründern übernommen (siehe Hintergrund) und sie von Martinhagen nach Kassel verlagert.

300 Modelle hat Nanchen Natur im Angebot. Dass die wegen der arbeitsintensiven Produktion vergleichsweise hochpreisigen Puppen, die im Fachhandel zwölf bis 120 Euro kosten, so gut laufen, führt Krüger nicht nur auf den ökologischen Ansatz, den guten Ruf und den weltweit bekannten Markennamen zurück. „Da die Puppen in Handarbeit entstehen, ist jede von ihnen ein Unikat. Keine sieht genau so aus wie eine andere“, erklärt sie. Auch deswegen seien Billigkopien schwer herzustellen. Nach Buttlars Angaben sind die Puppen „Made in Kassel“ die einzigen mit handgemalten Gesichtern.

Puppen ohne Gesicht: Diese Exemplare warten noch auf die Handbemalung mit sehr haltbaren Textilfarben.

Nanchen Natur besetzt mit ihren Puppen, Greiflingen und Nuckeltüchern eine profitable Nische. Über Umsätze und Erträge reden von Buttlar und Krüger unter Hinweis auf den Wettbewerb aber nicht. Nur so viel: „Wir können davon leben“.

Die Arbeit beginnt im Stofflager mit dem Zuschnitt der zertifizierten Baumwollstoffe aus deutscher, griechischer und türkischer Produktion. Dann werden die verschiedenen Teile zusammengenäht, mit Wolle gefüllt, bemalt oder bestickt. Am Ende bekommen die Püppchen Haare aus Mohair oder Mützen und Schals. Damit es etwas schneller geht und um die Kosten einzudämmen, arbeiten die Schneiderinnen nach einem Baukastenprinzip. Je nach Serie gibt es vorbereitete Arme, Beine, Köpfe, Perücken und Mützen – alles aus eigener Produktion, versteht sich. Ach ja, und wenn es einer betagten Nanchen-Natur-Puppe nicht mehr gut geht, springen die Kasseler auch gern einmal als Puppendoktor ein.

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