Kasseler SPD konzentriert sich auf die Wiederwahl des Oberbürgermeisters – eine Analyse

Alles für Hilgens Sieg

Stütze: Die Kasseler SPD und Fraktionschef Uwe Frankenberger (rechts) setzen auf Bertram Hilgen, der wieder Oberbürgermeister werden will. Archivfoto: Schachtschneider

Kassel. Es ist ruhig geworden in der Kasseler SPD. Lange Zeit wussten die Genossen selbst nicht, ob sie das als gutes oder schlechtes Zeichen werten sollten. Dass sich die Partei weniger streitet, ist das Verdienst von Jürgen Kaiser. Seit er den Vorsitz im Sommer 2009 übernommen hat, scheinen die Flügelkämpfe zwischen linkem Brandt- und rechtem Scheidemann-Kreis kaum mehr eine Rolle zu spielen. Zumindest giften sich die Mitglieder nicht mehr so an, wie es noch vor Kaisers Amtsantritt üblich war.

Gemeinsam mit Oberbürgermeister Bertram Hilgen hat er die Partei auf die Kommunalwahl eingeschworen. Zwar kann die SPD in Kassel noch aus einem Gefühl der Stärke agieren, aber die sinkende Zustimmung auf Bundes- und Landesebene dürfte auch bei der Kommunalwahl nicht folgenlos bleiben. Es ist unwahrscheinlich, dass die Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung erneut auf 28 Sitze kommen wird. Das weiß auch die Parteispitze.

Deshalb setzt die Kasseler SPD auf ihr stärkstes Pferd im Stall. Und das ist Bertram Hilgen. Manche sagen auch, er sei die einzige Chance der SPD. Aber allein schon weil wohl beide Wahltermine auf einen Tag fallen, wird die Kommunalwahl deutlich von der Oberbürgermeisterwahl geprägt.

Hilgen scheint unangefochten. Über mögliche Herausforderer wurde bisher nur spekuliert. Die CDU ist gelähmt von Eva Kühne-Hörmanns Dominanz. Sie schiebt die Entscheidung über die Oberbürgermeister-Kandidatur immer weiter hinaus. Hilgen gefällt das nicht. Er wüsste gern, auf welchen Herausforderer er sich einstellen muss.

Die Grünen hätten Chancen, mit einem schlagkräftigen Kandidaten zumindest die Stichwahl zu erreichen. Immerhin waren sie bei der Europawahl 2009 in fünf Stadtteilen stärkste Partei. Infrage käme Jugenddezernentin Anne Janz. Doch sie weiß, dass sich eine Kandidatur nach der Wahl negativ auf das Arbeitsverhältnis mit Hilgen im Magistrat auswirken könnte. Nur für einen Achtungserfolg will sie das nicht aufs Spiel setzen.

Hilgen pflegt einen präsidialen Stil und nimmt es sich heraus, Fraktion und Partei schon mal deutlich die Meinung zu sagen, wenn er es für nötig hält. Damit hat er sich nicht nur Freunde gemacht. Doch angesichts mangelnder Alternativen verkneifen sich Gegner allzu laute Kritik.

Das Vorhaben, die Partei allmählich zu verjüngen, ist nicht wirklich aufgegangen. Christian Geselle haben manche im Laufe der ablaufenden Wahlperiode schon als neuen Vorsitzender der Fraktion gesehen. Doch Hilgen setzt auf Uwe Frankenberger, der ihm weiter den Rücken freihalten soll. Geselles Zeit sieht er noch nicht gekommen. Frankenberger wird wohl noch einmal für die Spitze kandidieren.

Junge wollen nach vorn

Eine Nagelprobe könnte der Parteitag im Herbst werden, wenn die SPD ihre Wahlliste aufstellt. Noch traut es sich niemand, offen zu sagen, dass gerade viele Jüngere dann nach vorn sollen. Altgediente wie Hans-Jürgen „Adele“ Sandrock und Esther Haß möchten sie am liebsten aus ihren Ämtern im Magistrat verabschieden. Begeistert darüber dürften die Urgesteine nicht gerade sein.

Von Claas Michaelis

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