„Überall sind die Leute krank“

Alles schnieft: Grippewelle hat Region fest im Griff

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Kassel. Überall Schniefen und Husten – etliche Betriebe, Schulen und Kindergärten in der Region kämpfen derzeit mit den Auswirkungen der Grippe- und Erkältungswelle.

Produktionsausfälle gebe es im Volkswagen-Werk in Baunatal bisher nicht, sagte Pressesprecher Heiko Hilwig auf Anfrage. Allerdings gebe es derzeit mehr krankheitsbedingte Ausfälle unter den 16 500 Beschäftigten. Damit die Produktion nicht ausfällt, würden sich die Bereiche gegenseitig aushelfen.

VW setzt ebenso wie andere große Unternehmen auf Prävention, zum Beispiel in Form von Grippeschutzimpfungen. Auch wegen vieler angebotener Impftermine im Frühherbst verzeichne der Kasseler Erdöl- und Erdgasförderer Wintershall noch „keine überproportionalen Krankheitsfälle“, sagte Sprecher Stefan Leunig auf Anfrage. Bedeutende Einschränkungen bei den Betriebsabläufen gebe es beim Kasseler Kali- und Salzkonzern K+S noch nicht. „Aber wir merken es auch“, sagte Pressesprecher Michael Wudonig über die Folgen der Grippewelle.

Auch in Schulen und Kindergärten in Stadt und Landkreis wird gehustet und geschnieft. „Wir hoffen, dass die Krankheitswelle bald wieder abebbt“, sagt der Leiter des Wilhelmsgymnasiums, Uwe Petersen. Von Infektionen betroffen seien mehr Schüler und Lehrer als sonst. So müssen auch an der Johann-Amos-Comenius-Schule derzeit mehr Lehrervertretungen organisiert werden, sagt Schulleiter Volker Lerch.

Mehr gemeldete Fälle

Die Zahl der gemeldeten Grippe-Fälle in Stadt (21 Fälle) und Landkreis (4) sei deutlich angestiegen, sagt Gesundheitsamtsleiterin Dr. Karin Müller: „Das ist ein Zeichen dafür, dass eine höhere Influenza-Aktivität da ist.“ 2014 gab es keinen gemeldeten Fall.

Ein Indiz für viele Krankheitsfälle sind auch die vollen Arztpraxen. Viele Patienten klagen über einen plötzlichen Krankheitsbeginn mit hohem Fieber, trockenem Husten und Schnupfen, beschreibt Allgemeinmediziner Dr. Klaus Meyer die typischen Symptome. So rät er Risikopatienten mit chronischen Erkrankungen, sich auch jetzt noch gegen Grippe impfen zu lassen.

Laut Apothekerin Cornelia Hellmuth aus Schauenburg-Elgershausen sind sowohl Grippeimpfstoff als auch Erkältungsmedikamente noch ausreichend vorrätig. Auch sie weiß: „Wo Sie hinsehen, überall sind die Leute krank.“

So müssen im Rettungsdienst und von den Krankenhäusern derzeit deutlich mehr Patienten versorgt werden als sonst um diese Zeit. Hinzu kommen Krankheitsausfälle von Mitarbeitern, die abgefangen werden müssen, wie Einsatzleiter Uwe Kößler von der Berufsfeuerwehr erläutert.

Lungenentzündungen

Dass die Krankenhäuser derzeit sehr voll sind, liegt auch daran, dass mehr Patienten mit Lungenentzündungen behandelt werden müssen. Erstmals seit langer Zeit waren in den vergangenen beiden Wochen auch wieder Notzuweisungen nötig, weil sich wegen belegter Intensivbetten zeitweise alle Krankenhäuser in Stadt und Landkreis bei der Leitstelle abgemeldet hatten, erläutert Karin Müller. Derzeit entspanne sich die Situation aber wieder.

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