Kirchen und Gewerkschaften gründen nordhessisches Bündnis – Gegen Ladenöffnung an Feiertagen

Allianz für Sonntag als Ruhetag

Einkauf am Sonntag: An verkaufsoffenen Sonntagen wie hier auf unserem Archivfoto ist die Stadt häufig proppenvoll. Die Allianz für den freien Sonntag will den Ruhetag schützen. Archivfoto:  Malmus

Kassel. Gemeinsam für einen unangetasteten Ruhetag in der Woche kämpfen will künftig die „Allianz für den freien Sonntag - Region Nordhessen“. Damit bekommt die Gemeinschaftsinitiative von Kirchen und Gewerkschaften, die es bereits auf Bundes- und Landesebene gibt, auch in unserer Region einen Ableger.

„Wir wollen der Entwicklung zu einer Rund-um-die-Uhr-Gesellschaft entgegentreten und wenden uns gegen die schleichende Liberalisierung des Ladenschlusses“, sagt Martina Spohr von der evangelischen Kirche vom Referat Wirtschaft-Arbeit-Soziales der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Dieses hat zusammen mit der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung Nordhessen sowie den Gewerkschaften Ver.di und DGB das regionale Bündnis ins Leben gerufen. Weitere Unterstützer sind eingeladen, sich anzuschließen. Offizieller Auftakt ist am Montag (siehe rechts).

Der Sonntagsschutz dürfe nicht weiter ausgehöhlt werden, betonte Aloys Zumbrägel, Bezirksvorsitzender der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung. Der Sonntag diene zum einen zur Erholung der Menschen von der Arbeit. Letztlich seien ohne einen für alle verlässlichen arbeitsfreien Tag in der Woche aber auch soziale Strukturen in Gefahr: Sowohl Familienleben, Pflege von Freundschaften und Vereinsarbeit seien auf gemeinsame Freizeit angewiesen. Dies dürfe den Interessen von Händlern oder von Kunden, die jederzeit einkaufen wollten, nicht untergeordnet werden.

Mehr als jeder fünfte Arbeitnehmer arbeite inzwischen gelegentlich oder regelmäßig an Sonn- und Feiertagen. Das Hessische Ladenöffnungsgesetz habe 2006 viele Schutzregelungen ausgehebelt, sagte Gewerkschaftssekretärin Erika Preuss von Ver.di Nordhessen. Mit dem Auslaufen des Gesetzes zum Jahresende gelte es, den Lockerungen klare Grenzen zu setzen. „Dass eine Krankenschwester sonntags arbeiten muss, ist klar, aber im Handel gibt es keinen vernünftigen Grund, verkaufsoffenene Sonntage zu veranstalten.“ Auch im verarbeitenden Gewerbe dürfe die Wettbewerbsfähigkeit nicht als Argument für eine Entgrenzung der Arbeitszeiten angeführt werden, warnte DGB-Regionschef Michael Rudolph.

Mit Aktionen und Veranstaltungen zum Thema will das neue Bündnis das Bewusstsein der Menschen für den Sonntagsschutz schärfen. Zudem wolle man die Einhaltung der Ausnahmeregelungen kontrollieren und bei Verstößen womöglich gar klagen.

Von Katja Rudolph

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