Bio-Supermarkt in Bad Wilhelmshöhe wird Ende Oktober geschlossen - Filiale nicht mehr wirtschaftlich

Zu wenig Umsatz: Bio-Supermarkt Alnatura schließt

Alles bio: Prinz Charles informierte sich bei seiner Ökotour 1997 im Wilhelmshöher Alnatura-Markt auch über die Vermarktung von Bio-Gemüse. Archivfoto: Koch

Kassel. Er zählte zu den Pionieren der Bio-Supermärkte in Deutschland und war selbst dem englischen Thronfolger einen Besuch wert. Im Mai 1997 kostete Prinz Charles auf seiner Ökotour durch Nordhessen im Alnatura-Markt an der Wilhelmshöher Allee frisch gepressten Orangensaft mit Erdbeeren.

Damals brummte der Alnatura-Markt noch, nun muss er schließen. Ende Oktober ist Schluss. „Die Filiale trägt sich wirtschaftlich leider nicht mehr“, sagt Stefanie Neumann, Pressesprecherin der Alnatura Produktions- und Handels GmbH im südhessischen Bickenbach. „Es ist für uns eine sehr schwere Entscheidung gewesen.“ Zahlen nennt sie nicht.

Die Alnatura GmbH hatte den Kasseler Bio-Markt im Anthroposophischen Zentrum 1991 als dritte Filale eröffnet. Heute unterhält die Handelsgesellschaft, die ihre Produkte auch über die dm-Drogeriemarktkette und tegut vertreibt, bundesweit 59 Bio-Märkte, davon 13 in Hessen.

Nur noch auf Zeit in Kassel: Ende Oktober schließt der Alnatura-Supermarkt im Anthroposophischen Zentrum an der Wilhelmshöher Allee. Foto: Schachtschneider

Die 16 Mitarbeiter in Kassel, darunter vier Vollzeitkräfte, wurden Ende Oktober über die Geschäftsaufgabe informiert. Offiziell äußern will sich niemand von ihnen. Doch die Enttäuschung ist groß. Manch einer hatte geglaubt, in dem Bio-Markt eine Lebensstellung gefunden zu haben.

Man habe den Mitarbeitern neue Arbeitsplätze in anderen Alnatura-Filialen angeboten und sei auch mit den Handelspartnern dm und tegut im Gespräch, um sie unterzubringen, sagt Neumann. „Wir sind ganz sicher, dass das klappen wird.“

Branchenkenner sehen in der Konkurrenz durch die stark expandierende Fuldaer Handelskette tegut, die ein breites Bio-Sortiment führt, einen Grund für die Umsatzeinbrüche in den vergangenen drei bis vier Jahren. Viele Kunden seien abgewandert.

Fotostrecke: Prinz Charles besuchte Kasseler Bioladen

Prinz Charles zu Besuch in Kasseler Bio-Laden

Natürlich sei tegut in Kassel sehr gut vertreten, sagt Alnatura-Sprecherin Neumann. „Unsere Handelspartner sehen wir aber nicht als Konkurrenten.“ Das Gegenteil sei der Fall. An vielen Standorten sei man ganz bewusst gemeinsam vertreten. Als problematisch sehe man eher die fehlenden Parkmöglichkeiten. „Parkplätze sind immer ein Thema.“ Was aus der großen Ladenfläche im Anthroposophischen Zentrum wird, ist offen.

Hans-Georg Greger, der ein paar Meter weiter an der Wilhelmshöher Allee seinen Biomarkt Greger betreibt und sich seit 20 Jahren unter anderem mit einer Fleischtheke gegen den Bio-Riesen behauptet, kann sich nicht beklagen. „Uns geht es gut“, sagt er. „Wir haben jedes Jahr Zuwächse.“ Der Alnatura-Markt mit seiner großen Kosmetik-Abteilung sei weniger Konkurrent, sondern eher Ergänzung gewesen. Über die Gründe für die Schließung könne er nur spekulieren.

Wahrscheinlich setze das Unternehmen seine Schwerpunkte eher in Südhessen mit seiner höheren Kaufkraft, sagt Greger. Möglicherweise spielten auch logistische Gründe eine Rolle. Als Einzelkämpfer könne er zudem schneller auf Aktionen der Konkurrenz reagieren. „Mit so einem großen Schiff kann man das nicht so leicht.“

Prinz Charles war 1997 übrigens auch in Gregers Laden, der damals noch Schmanddibben hieß. Dort gab’s Ahle Wurscht aus Nordhessen.

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