Besser Kraxeln ab Kassel

Alpenverein will Klettersteig an eigener Berghütte im Zillertal bauen

Idyllisch gelegen: 1927 hat die Sektion Kassel des Deutschen Alpenvereins im Zillertal die „Kasseler Hütte“ errichtet. Sie soll durch denBau eines Klettersteigs noch attraktiver werden. Foto: DAV/privat

Kassel. Die höchste - und wohl schönste - Außenstelle Kassels liegt auf 2177 Metern Höhe: in der Zillertaler Alpen in Österreich.

Seit 88 Jahren gehört dem Deutschen Alpenverein (DAV) Kassel dort eine Berghütte. Um sie für Touristen noch attraktiver machen will die Kasseler DAV-Sektion jetzt einen Klettersteig an der „Kasseler Hütte“ bauen. Für das Vorhaben, das 100 000 Euro kostet, werden noch Sponsoren gesucht.

„Klettersteige sind stark im Kommen“, sagt Manfred Hesse, Vorsitzender des 5500 Mitglieder starken Vereins. Klettersteige bilden quasi den Übergang vom Bergwandern zum alpinen Klettern. Auch wer sich noch nicht traut, mit Seil und Haken Felsen zu erklimmen, kann auf einem Klettersteig auf einer gesicherten Route an Bergwänden oder auf steilen Graten entlang kraxeln. An einem am Fels befestigten Stahlseil entlang kann man sich mit mit Karabinern einhängen, sodass auch bei einem Ausrutscher nichts passiert.

Am Bergrücken entlang

Einen 300 Meter langen Übungsklettersteig, der auch für Kinder geeignet ist, gibt es an der Kasseler Hütte bereits, er führt zur sogenannten Schönen Aussicht. Von dort aus soll sich auf 2300 Metern Höhe der neue, mittelschwere Steig anschließen. Er soll 1,3 Kilometer lang sein und auf dem Eurergrat 400 Höhenmeter überwinden. „Es wäre der erste hochalpine Klettersteig in der Zillertaler Region“, sagt Manfred Hesse.

Mit dem neuen Klettersteig will der Alpenverein auch jüngere Leute für einen Besuch der Kasseler Hütte gewinnen. Zudem könne man dann Gruppen oder Familien Wochenangebote mit Kursen auf dem Klettersteig machen, sodass die Besucher länger bleiben - und nicht nur bei einer Rundwanderung einmalig Station in der Hütte machen. Davon erhofft sich der Verein steigende Übernachtungszahlen und einen wirtschaftlicheren Betrieb der Hütte. Im vergangenen Jahr musste der Verein laut Hesse 60 000 Euro zuschießen.

Während in den 1980-Jahren noch über 5000 Übernachtungsgäste im Jahr kamen, brachen die Zahlen durch den Trend zu Flugreisen in entferntere Länder ein, berichtet der Vereinsvorsitzende. 2006 übernachteten nur 1700 Gäste auf der Kasseler Hütte. Seitdem geht es im Wortsinn wieder bergauf, im vergangenen Jahr registierte der Verein 2400 Übernachtungen.

Dabei hätte die Hütte mehr Aufmerksamkeit verdient, findet auch Bergsteig-Trainer Manuel Sauer: „Das ist wirklich ein Kleinod – und ein Aushängeschilde für Kassel mitten im Hochgebirge“, schwärmt er. Gerade weil die Hütte ein wenig abgelegen sei, könne man dort Ruhe finden und die unberührte Natur erleben.

Jetzt hofft der Alpenverein auf Spenden für den Bau des Klettersteigs, der für das kommende Jahr vorgesehen ist. „Das ist für uns ein Mammut-Projekt, das wir nur mit finanzieller Unterstützung stemmen können“, sagt Hesse. Dass der Verein einen gute Riecher für erfolgreiche Projekte hat, zeigt der Bau der Kletterhalle auf der Marbachshöhe 2009. Seit der Eröffnung haben sich über 2000 neue Kletter-Freunde dem DAV angeschlossen.

Für Unternehmen oder Einzelspender, die den Klettersteig finanziell unterstützen wollen, veranstaltet der DAV am 10. Februar ein Essen im Grischäfer in Bad Emstal mit dem Wirt der Kasseler Hütte. Anmeldung bis 1. Februar per E-Mail: info@alpenverein-kassel.de Foto: Rudolph

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