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Als Rüsseltiere durch Kassel streiften

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Von: Bastian Ludwig

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Lebte bis vor drei Millionen Jahren in Europa: Der Hauerelefant war einst auch im heutigen Hessen unterwegs – natürlich lange bevor der Herkules stand. Auffällig sind die nach unten und hinten gebogenen Stoßzähne.
Lebte bis vor drei Millionen Jahren in Europa: Der Hauerelefant war einst auch im heutigen Hessen unterwegs – natürlich lange bevor der Herkules stand. Auffällig sind die nach unten und hinten gebogenen Stoßzähne. © HNA-Montage

Wer an Elefanten denkt, hat die afrikanische Savanne oder indische Tropenwälder vor Augen. Dabei lebten die Vorfahren der drei bis heute erhaltenen Elefantenarten einst auch in unseren Breiten. Für das Mammut sind sogar Knochenfunde aus Kassel belegt – aber auch andere Rüsseltiere waren hier heimisch.

Kassel - Aus Anlass der Elefanten-Sonderausstellung im Naturkundemuseum, die in vier Wochen schon mehr als 11 000 Besucher lockte, gibt Museumsleiter Kai Füldner einen Überblick über die Vorfahren heutiger Elefanten, die sich einst auch in Nordhessen tummelten.

Die meisten Menschen würden heute den afrikanischen Elefanten und den etwas kleineren asiatischen Elefanten kennen, so Füldner. Der afrikanische Waldelefant, dessen Lebensraum sich auf tropische Regenwälder beschränkt, sei hingegen weniger bekannt.

Bei den Vorfahren der heutigen Elefanten gibt es ebenfalls viel zu lernen. Jeder kennt wohl das Mammut, aber vom Mastodon und vom Hauerelefanten – auch Deinotherium genannt – haben wohl nur wenige gehört. Dabei seien auch diese ausgestorbenen Rüsseltiere einst im heutigen Nordhessen vertreten gewesen. Wir geben einen Überblick.

Lebten einst auch bei uns: Europäischer Waldelefant (hinten) und Mammut (vorne).
Lebten einst auch bei uns: Europäischer Waldelefant (hinten) und Mammut (vorne). © Bastian Ludwig

Waldelefant

Mit einer Schulterhöhe von bis zu 4,20 Meter überragte der Europäische Waldelefant die heutigen afrikanischen Elefanten (bis 3,20 Meter) ein gutes Stück. Er gehört somit zu den größten Rüsseltieren, die je gelebt haben.

Sein Verbreitungsgebiet erstreckte sich über Europa und Vorderasien. In den Warmzeiten waren die gigantischen Europäischen Waldelefanten auch nördlich der Alpen vertreten. Bis vor 115 000 Jahren soll es Populationen in unseren Breiten gegeben haben. Die Skelett-Fundstellen erstrecken sich über fast ganz Deutschland. In Kassel selbst gibt es keine Funde. „Aber wir können davon ausgehen, dass die Tiere auch hier lebten“, sagt Füldner. Einen entsprechenden Nachweis gebe es für Südhessen. Die Tiere seien von den Neandertalern gejagt worden – auch dazu gebe es entsprechende Skelettfunde, die dies belegten.

Hauerelefant

Der Hauerelefant wurde etwas größer als der heutige afrikanische Elefant. Er unterschied sich aber besonders durch die nach unten und hinten gebogenen Stoßzähne. Sein offizieller Name ist Deinotherium („schreckliches Tier“). In Europa starb der Hauerelefant vor etwa drei Millionen Jahren aus. In Rheinhessen gibt es zehn Millionen Jahre alte Orginalfunde. In Nordhessen gebe es zwar keine Skelettfunde, aber es sei wahrscheinlich, dass die Tiere auch hier lebten.

Mammut

Die Mammute lebten bis zum Ende der letzten Eiszeit vor 12 000 Jahren auch in Deutschland. 1927 entdeckte ein Kasseler Lehrer durch Zufall den Unterkiefer eines Mammuts bei Tiefbauarbeiten am Philosophenweg. Bei einer radiometrischen Altersdatierung, die das Kasseler Naturkundemuseum erst vor einigen Jahren beauftragte, kam heraus, dass der Unterkiefer des jungen Wollhaarmammuts älter als 50 000 Jahre ist. Damals ähnelte das Kasseler Becken einer baumlosen Steppe.

Der Mammutkiefer ist nicht der einzige Fund aus Kassel. So wurden etwa bei Baggerarbeiten für die Regattastrecke in Waldau Mammutbackenzähne geborgen. Knochen von Wollnashörnern sind am Möncheberg und in Wolfsanger gefunden worden.

Die letzten Vertreter der Mammute seien erst vor 3700 Jahren ausgestorben, so Füldner. Auf der Wrangel-Insel im arktischen Ozean vor Nordostsibirien hielt sich eine kleine Population über Tausende von Jahren, während die Tiere auf dem Festland längst verschwunden waren.

War ebenfalls in unseren Breiten zuhause: Das Mastodon war kleiner als das Mammut.
War ebenfalls in unseren Breiten zuhause: Das Mastodon war kleiner als das Mammut. © Bastian Ludwig

Mastodon

Das Mastodon hatte lange Stoßzähne und war wohl ähnlich behaart wie das Mammut, aber kleiner, so Füldner. Es sei vermutlich – wie auch das Mammut – aufgrund klimatischer Veränderungen und der Bejagung durch den Menschen ausgestorben.

Die letzten Vertreter lebten noch bis vor 12 000 Jahren in Amerika – aber auch in Europa seien unterschiedliche Formen zuvor verbreitet gewesen, so Füldner.

Verwirrend sei, dass die lateinische Bezeichnung des Mastodons „Mammut“ sei, während das Mammut auf Latein „Mammuthus“ heiße. (Bastian Ludwig)

Sonderausstellung: „Elefanten – Wildtiere und Kulturikonen“ im Naturkundemuseum Kassel. Noch bis 3. September. Öffnungszeiten: Di, Do-Sa 10-17 Uhr, Mi 10-20 Uhr, So 10-18 Uhr, Mo geschlossen.

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