Karl May wurde auf der Freilichtbühne in Wilhelmshöhe früher gespielt als in Bad Segeberg

Als Winnetou durch den Kasseler Bergpark ritt

Winnetou im Bergpark: Mit diesem Plakat warb das Kasseler Staatstheater 1950 für die Aufführungen der Wilhelmshöher Freilichtspiele. Quelle: Karl-May-Verlag
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Winnetou im Bergpark: Mit diesem Plakat warb das Kasseler Staatstheater 1950 für die Aufführungen der Wilhelmshöher Freilichtspiele.

Selbst für die Helden des Wilden Westens wie Winnetou und Old Shatterhand sind die Zeiten schwierig. Das haben nicht nur die wohl bekanntesten Karl-May-Festspiele in Bad Segeberg zu spüren bekommen.

Kassel ‒ Die mussten die Saison schon absagen, andere Veranstalter hoffen noch. Was allerdings wenig bekannt ist: Auch Kassel gehörte einmal zu den Orten, in denen die berühmten Geschichten von Karl May aufgeführt wurden.

Und das bereits im Jahr 1950, zwei Jahre bevor die Karriere von Bad Segeberg als Bühne für wilde Verfolgungsjagden, edle Indianer und fiese Schurken begann.

Darauf macht ein dicker Band des Karl-May-Verlags in Bamberg aufmerksam, der gerade erschienen ist. „Wir haben unsere eigene Bühnengeschichte aufgearbeitet, ein Kapitel hat auch der Bergpark Wilhelmshöhe geschrieben“, sagt Verlagssprecherin Alina Müller.

Und in der Tat gab es 1950 eine ganze Reihe von Aufführungen des Kasseler Staatstheaters bei den Wilhelmshöher Freilichtspielen. Die fanden auf einer Bühne im Bergpark statt, und zwar in der Nähe des Neuen Wasserfalls. Dieser seit dem Krieg nicht mehr genutzte Teil der Wasserspiele befindet sich in Höhe des großen Gewächshauses der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) oberhalb der Tulpenallee.

Im HNA-Archiv haben wir ein Foto von den Proben des Staatstheaters und eine Ankündigung für das Stück gefunden. Das klang damals so: „Wenn die ersten warmen Tage kommen, wird Winnetou, der junge edle Häuptling der Apachen, in Kassel zu sehen sein. Auf der neuerbauten Freilichtbühne des Staatstheaters werden die weltbekannten Figuren Karl Mays zu neuem Leben erwachen. Die Vorbereitungen sind schon in vollem Gang. Indianerüberfälle werden probiert, Mutproben und aufregende Abenteuer sind zu bestehen. Die Freunde der Karl-May-Bücher werden neben Winnetou viele bekannte und beliebte Gestalten wiedersehen.“

Bei den Proben: Dieses Foto ist damals in den Hessischen Nachrichten erschienen.

Zur Besetzung gehörten damals so wie in der Vorlage Old Shatterhand, sein lustiger Begleiter Sam Hawkins, Intschutschuna, der Vater Winnetous und Nscho-tschi, die schöne Schwester, Tangua, der Häuptling der feindlichen Kiowas und der böse Santer. Der Regisseur Walter Segler wirkte damals auch als Schauspieler mit. Geworben wurde auch überregional. „Mit der Bundesbahn nach Kassel“ war das Motto.

Bis heute macht das Staatstheater übrigens Gastspiele im Bergpark. Unter anderem war vor der Löwenburg Goethes Faust zu sehen.

Die Karriere von Winnetou im Bergpark ging mit dem Sommer 1950 zu Ende. Der erste Band zur Geschichte der Aufführungen aus dem Karl-May-Verlag hat ihn verewigt. Zwei weitere Bände sollen folgen.

Nicolas Finke und Reinhard Marheinecke: „Karl May auf der Bühne“, Band 1, 400 S., Großformat mit Gold-Veredelung, 49 Euro (Thomas Siemon)

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