Alstom-Konzern eröffnet Trainingszentrum

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Freuten sich über die Eröffnung: Service-Chef Dr. Michael Bünning (von links), Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke, Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir und Alstom-Deutschland-Chef Alf Henryk Wulf. Unser Foto zeigt sie vor einem Hochleistungsschalter der neuesten Generation.

Kassel. Der französische Alstom-Konzern bekennt sich klar zu seinen beiden Standorten in der Stadt. Am Mittwoch nahmen Vertreter des Elektro- und Bahntechnik-Anbieters in Anwesenheit von Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir ein neues Trainingszentrum sowie eine neue Werkstatt in Betrieb.

 Drei Millionen Euro hat Alstom, der in Kassel 600 Menschen beschäftigt, in den Standort investiert und somit dessen Position im weltweiten Konzernverbund erheblich gestärkt.

In Kassel produziert Alstom unter anderem Hochspannungsschalter, die bei Havarien - etwa Blitzschlägen - Umspannwerke abschalten und so vor großen Schäden bewahren. Gleichzeitig ist Kassel zentraler Servicestandort der Netzsparte des Konzerns und somit zuständig für Deutschland, Zentral- und Osteuropa sowie Russland. 90 der 170 Servicemitarbeiter im Inland arbeiten von Kassel aus. Im neuen Zentrum werden sowohl eigene Fachleute als auch Beschäftigte der Kunden - Netzbetreiber, Regionalversorger und Stadtwerke - geschult. Laut Matthias Gabele, Chef des Trainingszentrums, ist dies in der Branche einzigartig. Direkt beim Hersteller schule sonst niemand.

Dr. Michael Bünning, der Chef der Netz-Service-Sparte in Deutschland, unterstrich die Bedeutung der Investition für Kassel. Sie werte den Standort deutlich auf. Kassel sei einer von weltweit zwei großen Schulungszentren.

Tarek Al-Wazir dankte dem Management für die Entscheidung pro Nordhessen. „Sie werden es nicht bereuen, denn Sie passen wunderbar in eine Region, die bei der Energiewende vorangeht“, sagte der äußerst gut informierte und vorbereitete Grünen-Minister auch mit Blick auf den dringend erforderlichen Netzausbau. Alstom spiele eine Schlüsselrolle beim Umbau der Energieversorgung. „Wir sind auf Sie angewiesen“, sagte er abschließend.

Alstom bewirbt sich unter anderem um den Bau der neuen Stromtrasse Südlink, die von Brunsbüttel bei Hamburg nach Grafenrheinfeld in Bayern führen und den Windstrom von Kraftwerken auf See in den energiehungrigen Süden des Landes bringen soll. Al-Wazir verwies darauf, dass Hessen, Bayern und Baden-Württemberg im Jahr 2023 etwa 30 Prozent ihres Strombedarfs mit Importen decken müssten. „Die Trassen müssen kommen“, appellierte er an alle Beteiligten, Planung und Umsetzung voranzutreiben.

Zuvor hatte auch der Alstom-Deutschland-Chef Alf Henryk Wulf die Dringlichkeit neuer Stromtrassen unterstrichen und sein Unverständnis über die ablehnende Haltung von Bayerns Ministerpräsidenten Horst Seehofer in dieser Frage zum Ausdruck gebracht.

Alstom baut nicht nur Kraftwerke, Windräder und Netze an Land, sondern auch die Leitungen von den einzelnen Windkraftanlagen auf See zu einer Art Sammelstation im Wasser. Dort wird der Wechselstrom in Gleichstrom gewandelt und an Land transportiert, wo er wieder zurückgewandelt werden muss. Gleichstrom lässt sich über weite Entfernungen besser leiten.

Hintergrund

Alstom ist einer der weltweit führenden Anbieter von Technologie zur Erzeugung und zum Transport von Strom, also von Kraftwerken und Netzen. Außerdem produziert der Konzern die gesamte Bandbreite an Bahntechnik - von der Netz-, Signal- und Steuerinfrastruktur über Straßen-, Regional- und Fernbahnen bis hin zu Hochgeschwindigkeitszügen. Der TGV-Nachfolger AGV ist der schnellste Zug der Welt. Bei einer Testfahrt brachte er es auf 574,8 Stundenkilometer.

Die Kasseler Regiotram stammt ebenfalls von Alstom, und zwar aus dem Werk in Salzgitter. Alstom setzte im Geschäftsjahr 2012/13 (31. März) 20,3 Milliarden Euro um und verdiente unterm Strich 802 Mio. Euro. Der Konzern beschäftigt weltweit 93 000 Mitarbeiter, davon fast 9000 in Deutschland.

In Kassel sind es insgesamt 600 Mitarbeiter, denn neben dem Hochleistungsschalter-Werk und dem Service betreibt er ein weiteres Werk, in dem Spaltgaskühler für petrochemische Anlagen gebaut werden. Der französische Bau- und Telekommunikationskonzern Bouygues hält 29,4 Prozent der Aktien, der Rest befindet sich im Streubesitz.  

Von José Pinto

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