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Alt-Grüne kritisieren erneut Wintershall Dea: Wer sind die Polit-Veteranen?

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Von: Matthias Lohr

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So machte Reinhold Weist früher Politik: In den 1970er-Jahren war er an der Uni Asta-Vorsitzender. Archi
So machte Reinhold Weist früher Politik: In den 1970er-Jahren war er an der Uni Asta-Vorsitzender. Archi © nh

Erneut hat eine Gruppe Kasseler Alt-Grüner den Öl- und Gaskonzern Wintershall Dea kritisiert. Die Polit-Veteranen mischen sich immer wieder in die Politik ein - und ecken damit auch an.

Kassel – Für Reinhold Weist ist die Demokratie-Initiative „Offen für Vielfalt – Geschlossen gegen Ausgrenzung“ eine tolle Sache, wie der Ex-Grünen-Landtagsabgeordnete sagt. Mehr als 35 Kooperationspartner setzen sich für Vielfalt, Toleranz und demokratische Werte ein. An einem Partner übt Weist mit anderen Alt-Grünen jedoch immer wieder Kritik. Der Kasseler Öl- und Gaskonzern Wintershall Dea, der „Offen für Vielfalt“ 2018 mitgegründet hat, steht seit dem Beginn des russischen Kriegs in der Ukraine immer wieder in der Kritik.

Nun fordern Weist und Co., dass die anderen „Offen für Vielfalt“-Partner die Mitgliedschaft von Wintershall Dea vorerst aussetzen. Hintergrund sind Vorwürfe, laut denen ein Gemeinschaftsunternehmen des Konzerns mit einer Gazprom-Tochter Treibstoff für den russischen Krieg liefere. Einen entsprechenden Brief adressierten die Alt-Grünen an Wintershall Dea.

Es ist nicht das erste Mal in diesem Jahr, dass sich die Polit-Veteranen öffentlichkeitswirksam zu Wort melden. Im Frühjahr kritisierten sie schon einmal Wintershall Dea und warfen dem Unternehmen vor, sich etwa durch die Unterstützung des Kulturzelts reinzuwaschen. Die Förderung von mindestens 80 000 Euro für das Festival solle stattdessen die Stadt übernehmen. Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) hielt es jedoch für „vollkommen falsch, Wintershall Dea öffentlich an den Pranger zu stellen“. Im September überraschten die Alt-Grünen mit einem Antrag für eine umfassende Reform der documenta. Auf einer Versammlung wurde er von der Partei ohne große Diskussion verabschiedet.

Die Gruppe, die formell nur ein Netzwerk von Altgedienten ist, hat also durchaus Einfluss bei den Grünen. Sie verfügt ja auch über reichlich Erfahrung. Neben Weist saß auch Jürgen Blutte einst im hessischen Landtag. Iring von Buttlar, Sabine Giesa und Uwe Josuttis waren Stadtverordnete. Martin Hoppe-Kilpper trat bei der Kommunalwahl 2021 an, schaffte es aber nicht ins Stadtparlament. Als einzige noch aktiv in der Kommunalpolitik ist Marianne Knipping, die stellvertretende Ortsvorsteherin in Süsterfeld-Helleböhn ist.

„Wir sind eher aus der Gründergeneration“, sagt Weist. Man treffe sich manchmal in Kneipen und tausche sich aus. Im Kurzmitteilungsdienst Signal haben die Alt-Grünen eine eigene Gruppe. WhatsApp, das zum Facebook-Konzern Meta gehört, sehen sie natürlich kritisch. Bei Themen, die für die Stadtgesellschaft relevant seien, melde man sich zu Wort.

Bei den Grünen gefällt das nicht allen. Gerade Weist und von Buttlar können etwa bei Twitter und Facebook ordentlich austeilen. Das Auftreten der Gruppe ist zumindest nicht immer professionell. So wird Wintershall Dea im Brief der Grünen konsequent „Dea-Wintershall“ genannt. Die Kasseler Parteichefin Vanessa Gronemann sagt dennoch: „Sie haben den gleichen Einfluss wie alle anderen Mitglieder auch. Natürlich freuen wir uns immer über engagierte Mitglieder, die versuchen, Impulse zu setzen.“

Die Kritik an Wintershall Dea hält die Landtagsabgeordnete für „absolut nachvollziehbar. Solange die Rolle von Wintershall nicht vollständig aufgeklärt ist, ist eine Zusammenarbeit schwierig.“

Bei den Partnern von „Offen für Vielfalt“, zu denen etwa VW, SMA, die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck und auch die HNA gehören, sieht man das differenzierter. Bischöfin Beate Hofmann erklärt auf Anfrage: „Die Initiative ist getragen von einem breiten Bündnis. Zu den Zielen stehen wir nach wir vor; über unterschiedliche Interessen müssen wir im Gespräch bleiben.“

Auch bei „Offen für Vielfalt“ selbst erkennt man Gesprächsbedarf. Sprecherin Dagmar Krauße verweist darauf, dass Wintershall Dea die Vorwürfe wegen des Treibstoffs dementiert hat. Selbst eine Trennung vom Russland-Geschäft sei auf die Agenda gesetzt worden. Konzern-Chef Mario Mehren sei für Januar zu „einem klärenden Werkstattgespräch mit allen Kooperationspartnern eingeladen“ worden, „denn mit Putins Russland sollten keine Geschäfte gemacht werden“.

Das wird auch Wintershall-Dea-Kritiker Weist freuen. Er sagt, dass er viele Mitarbeiter kenne. Die seien nett: „Aber man muss auch mal den Finger in die Wunde legen.“ (Von Matthias Lohr)

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