1. Startseite
  2. Kassel

Alte Eiche aus Bergpark soll zu 8000 „Goldbarren“ werden

Erstellt:

Von: Bastian Ludwig

Kommentare

Viel Arbeit: Aus der gigantischen Eiche aus dem Bergpark will der Bildhauer Gernot Ehrsam (hinten) 8000 „Goldbarren“ machen. Stefan Wolter zerlegte den Baum.
Viel Arbeit: Aus der gigantischen Eiche aus dem Bergpark will der Bildhauer Gernot Ehrsam (hinten) 8000 „Goldbarren“ machen. Stefan Wolter zerlegte den Baum. © Bastian Ludwig

Bildhauer Gernot Ehrsam hatte zur documenta mit einem illegal aufgestellten Bild für Aufsehen gesorgt. Nun plant er ein völlig legales Kunstprojekt in Kassel.

Kassel - Der Thüringer Künstler Gernot Ehrsam hatte zur documenta für Aufsehen gesorgt, weil er in der Karlsaue ein 20 Quadratmeter großes Bild aufgestellt hatte, ohne dafür eine Erlaubnis zu haben. Weder die Kuratoren noch der Hausherr der Karlsaue, die Museumslandschaft Hessen-Kassel (MHK), waren informiert. So ließ die MHK das illegale Werk Ende Juni kurzerhand abbauen. Doch aus dem Kontakt zur MHK ist durch Zufall ein neues Kunstprojekt entstanden. „Diesmal ein legales“, so Ehrsam.

Die Geschichte beginnt mit dem Besuch von Ehrsam im Gartenbetriebshof der MHK in der Karlsaue. Dort hatte die MHK das Kunstwerk von Ehrsam eingelagert, nachdem Mitarbeiter es demontiert hatten. Der Blick von Ehrsam fiel vor Ort auf die Stämme von uralten Bäumen. Sofort war das Interesse des Holzbildhauers geweckt, der schon viele Skulpturen entworfen hat.

„Wir kamen ins Gespräch, und ich erfuhr von einer 200 Jahre alten Eiche, die oberhalb der Tulpenallee im Bergpark umgestürzt war. Die ist viel zu schade, um als Brennholz im Ofen zu landen“, sagt Ehrsam. Beide Seiten wurden sich schließlich über den Preis einig. Seit Anfang der Woche lässt Ehrsam diese zwölf Meter hohe Eiche mit einem Stammumfang von 1,60 Metern in transportfähige Stücke zerschneiden. Wobei der Künstler lieber mit Pathos von einer „gefallenen Baumkönigin“ spricht. Überhaupt pflegt der Thüringer ein enges Verhältnis zu Bäumen, die er gern mit menschlichen Attributen versieht.

Um die gefallene Königin zu zerteilen, hat Ehrsam den Kasseler Garten- und Landschaftsbauer Stefan Wolter beauftragt. Dieser brachte gleich vier Kettensägen mit, falls eine bei mehrtägigen Arbeit schlappmachen sollte. Tatsächlich war das der Fall, als eine Sägekette auf einen Bombensplitter im Stamm traf. Das war nicht verwunderlich: Wenige Meter neben dem Baum ist bis heute ein Bombenkrater aus dem Zweiten Weltkrieg zu sehen.

Mit einem Transporter soll das Holz auf ein Grundstück an der Königinhofstraße gebracht werden. Unweit des Sandershauses will Ehrsam aus den großen Holzblöcken 8000 kleine Stücke in Goldbarrenform machen. Dies sei eine Hommage an Joseph Beuys Projekt „7000 Eichen“. Die Holzbarren stünden symbolisch für den hohen Wert der Natur.

„Bäume sind das wahre Gold der Erde. Gold können wir nicht essen“, sagt Ehrsam. In Anlehnung an die documenta will sich der Thüringer Bildhauer 100 Tage für die Bearbeitung des Holzes nehmen. (Bastian Ludwig)

Auch interessant

Kommentare