Fotoausstellung: Das alte Kassel lebt noch

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Vergangenheit und Gegenwart auf einem Foto: Das historische Bild der Martinskirche steht während der Ausstellung im Schaufenster des Optikerladens von Claudia Weber (rechts). Gabriela Wolff-Eichel (Freunde des Stadtmuseums) und Sparkassenchef Ingo Buchholz helfen beim Tragen. 

Kassel. Einige wenige Gebäude gibt es noch, die den Feuersturm in Kassels Altstadt im Oktober 1943 überdauert haben. Die Martinskirche gehört zu diesen Relikten, auch wenn die beiden Türme beim Wiederaufbau eine andere Form bekamen.

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Das historische Foto aus den 1920er Jahren zeigt die Kirche so, wie sie bis zum Krieg aussah. Die Häuser um die Martinskirche gibt es zum größten Teil nicht mehr.

Der Vergleich zwischen damals und der aktuellen Bebauung fällt für einige Wochen leicht. Ab heute ist die historische Aufnahme aus der Obersten Gasse mit der Martinskirche großformatig im Schaufenster des Optikergeschäfts Filia 76 zu sehen. Neben dem Druselturm hat man die gleiche Perspektive wie der Fotograf damals. Das gehört zum Konzept der Ausstellung. Die Aufnahmen aus dem alten Kassel werden an Originalschauplätzen präsentiert. Der Historiker Christian Presche hat die informativen Texte zu den Bildern recherchiert. Für die Gestaltung ist die Grafikerin Andrea Obijou verantwortlich.

Direkt neben dem Druselturm befindet sich die neunte von zehn Stationen der Ausstellung „Bilder unserer verlorenen Stadt“. Die geht bereits in die vierte Runde. Erstmals sind neben den Bildern in Schaufenstern auch große Plakate zu sehen.

Informationen aus erster Hand: Anna-Maria Klose (Kräuterhilde) im Gespräch mit dem Nachbarn und Kassel-Chronisten Hans Germandi.

An der Außenmauer des Dock 4, der ehemaligen Gerhart-Hauptmann-Schule, sind zwei historische Aufnahmen mit Blicken in die Oberste Gasse und das Elisabethhospital angebracht. Eine Station weiter, im Schaufenster des Porzellanhauses Hornschu, kann man die frühere Garnisonkirhe sehen. Die ist im Krieg ausgebrannt und stand als Ruine lange leer. In dem sanierten Gebäude kann man heute italienisch essen.

Ein weiterer markanter Punkt ist der Druselturm. Über dem Eingang zum Brautmodengeschäft direkt gegenüber an der Obersten Gasse kann man ihn auf einem Foto von 1913 sehen. Ebenso wie die Martinskirche hat sich der Druselturm verändert. Die historischen Fotos machen den Wandel deutlich.

Der Druselturm war übrigens bereits vor dem Krieg in Gefahr. Bei einem Feuer im Jahr 1905 wurde der Turm erheblich beschädigt. Mit nur einer Stimme Mehrheit entschied damals die Stadtverwaltung, den Turm nicht abzureißen und ihn wieder aufzubauen. Nach dem Krieg hatte hier der als Trümmerfotograf bekannt gewordene Walter Thieme sein - noch provisorisches - Geschäft.

Von Thomas Siemon

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