Gemäldegalerie lässt Bilder des flämischen Malers Jacob Jordaens durchleuchten

Gemälde von Jacob Jordaen: Alte Meister beim Röntgen

Röntgentechnik im Einsatz: Timo Trümper, Volontär in der Gemäldegalerie von Schloss Wilhelmshöhe (links) und Prof. Ivor Mohrmann vor dem Jordaens-Gemälde „Das Bohnenfest“. Foto: Herzog

Kassel. Er war ein Zeitgenosse von Rubens, unterhielt ein großes Atelier mit mehreren Angestellten und beherrschte 40 Jahre die Kunstszene in Antwerpen: Jacob Jordaens (1593 bis 1678) zählt zu den großen flämischen Malern.

Zwölf seiner Werke und damit die wohl größte Sammlung in Deutschland sind im Besitz der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK). Darunter auch „Das Bohnenfest“, ein großformatiges Werk, das restaurierungsbedürftig ist.

Das Meisterwerk, das im Laufe der Jahrhunderte Kriegsschäden davongetragen hat und bereits mehrfach restauriert wurde, soll erneut in Stand gesetzt werden. Angesichts der vielen Überarbeitungen ist eine detektivische Vorarbeit nötig. „Man hat früher nie die Zeit gefunden, das Bild von vorne bis hinten korrekt zu restaurieren“, sagt Anne Harmssen, Gemälderestauratorin und Leiterin der Abteilung Restaurierung. Deshalb sei einiges veschlimmbessert worden. Röntgenaufnahmen sollen nun helfen, die Entstehungsgeschichte des Gemäldes nachzuvollziehen.

Nicht nur das Bohnenfest auch fünf andere Jordaens-Bilder wurden durchleuchtet. Denn die Gemäldegalerie Alte Meister unter Leitung von Dr. Justus Lange bereitet eine große Jordaensausstellung mit den Kasseler Kunstwerken und Leihaben aus ganz Europa vor, die in Brüssel und 2013 im Kasseler Fridericianum gezeigt wird. Kunsthistoriker Lange hofft, mithilfe der Röntgenstrahlen neue Erkenntnisse über das Werk des Malers beisteuern zu können. „Wir sind sehr glücklich“, sagt er.

Jordaens habe Leinwände mehrfach benutzt, die Bilder immer wieder verändert und bei seinem Bohnenfest vermutlich über einen Zeitraum von 20 Jahren zehn Leinwandstücke angesetzt, sagt Restauratorin Harmssen. Das könne man nun mithilfe der digitalen Aufnahmen nachvollziehen. „Die Röntgenaufnahmen zeigen nicht nur die Art der Leinwand, sondern auch die Dichte.“ Anhand der Fadenstärke und -zahl könne man feststellen, ob sie von demselben Ballen stammt oder aus einer anderen Zeit.

Da die Museumslandschaft nur über ein älteres, fest installiertes Röntgengerät verfügt, das für größere Bildformate nicht ausreicht, waren in den vergangenen Tagen Spezialisten aus Dresden mit einem mobilen Röntgengerät in Schloss Wilhelmshöhe im Einsatz. Prof. Ivo Mohrmann und Kerstin Risse von der Hochschule für Bildende Künste haben in vier Tagen 200 Röntgenbilder von sechs Jordaens-Gemälden gemacht. Diese geben den Fachleuten eine Fülle von Informationen, etwa über die Grundierung, den maltechnischen Aufbau und Änderungen am Bildkonzept. „Das kann man sehr schön erkennen“, sagt Mohrmann. Der Professor für Maltechnik und Restaurierung ist ein gefragter Fachmann und mit der 100 000 Euro teuren digitalen Röntgenanlage in ganz Europa unterwegs. In Kassel ist er schon öfter gewesen. Etwa 5000 Euro kostet sein jüngster Einsatz. Die seien gut angelegt, sagt er. „Lanfristig spart man Kosten.“

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