Hunderte Anrufe allein in Kassel

Enkeltrick und Co.: Alte Menschen im Visier von Banden

Kassel. Immer mehr ältere Bürger in Kassel und Umgebung sind das bevorzugte Ziel von organisierten Betrüger-Banden. Die Banden stammen nach Erkenntnissen der Polizei aus Osteuropa.

Vor allem aus Polen kommen die Banden. Zu ihren Opfern schicken sie hochdeutsch sprechende Komplizen.

Allein am Dienstag vergangener Woche gingen bei der Kriminalpolizei in Kassel 13 Hinweise von Senioren ein, bei denen Anrufer den Enkeltrick versuchten. Die Dunkelziffer sei jedoch sehr viel höher, sagt Kriminaloberkommissar Dirk Hofmann. „An diesem Tag werden es wohl an die Hundert Anrufe gewesen sein“, glaubt er. Die Täter, die mitunter mehrere zehntausend Euro ergaunern, seien jedoch schwer zu fassen. Vorbeugung sei deshalb die stärkste Waffe gegen diese organisierte Kriminalität.

Nachdem im Januar die „XY-ungelöst“-Sendung mit einem Kasseler Fall ausgestrahlt wurde, gingen bei der Polizei deutlich mehr Anrufe von potenziellen Opfern ein. Im Sommer 2014 hatte eine 86-jährige Bewohnerin einer Seniorenresidenz einen Anruf erhalten, bei dem ein Betrüger vorgab, ihr Sohn zu sein und dringend Geld zu benötigen. Daraufhin holte sie drei Goldbarren im Wert von über 90 000 Euro aus ihren Bankschließfach und übergab sie an einen unbekannten Mann. Die Betrüger seien so professionell und geschickt, dass auch kluge und selbstbewusste Menschen sich von ihnen täuschen ließen, sagt Hofmann. Seit dem geschilderten Geschehen im August 2014 weiß die Polizei noch von zwei weiteren Geldübergaben. Die Dunkelziffer sei um ein Drei- bis Vierfaches höher. Viele ältere Menschen schämten sich, darüber zu sprechen, dass sie Betrugsopfer geworden sind. Zumal viele Angehörige verständnislos reagierten.

Deshalb appelliert Hofmann, Fälle, in denen es zu einer Geldübergabe kam, schnell bei der Polizei anzuzeigen. Wenn es die Opfer wünschen, müssen Angehörige nicht informiert werden.

Rubriklistenbild: © dpa

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