Pilotprojekt Trockene und Nasse Tonne: Schlechte Sortierdisziplin sorgt für Probleme

Alte Schuhe im Müll

Lernprozess: Nach der Umstellung von der wöchentlichen auf eine 14-tägliche Leerung der Tonnen gab es überquellende Müllbehälter wie hier an der Johannesstraße. Archivfoto:  Socher

Südstadt. Das Pilotprojekt Trockene und Nasse Tonne stand im Mittelpunkt der jüngsten Ortsbeiratssitzung in der Südstadt, zu der auch Experten der Stadtreiniger eingeladen waren. Interessant war der Verlauf der Diskussion: Dominierten am Anfang die Beschwerden einiger Anwohner über überquellende Mülltonnen, so endete die Auseinandersetzung im Stadtteilparlament schließlich mit der einhelligen und versöhnlichen Äußerung: „Wir wollen, dass das Pilotprojekt Erfolg hat, und müssen uns gemeinsam dafür einsetzen, Missstände abzustellen.“ Das sagte am Ende Ortsvorsteher Harald Doenst (SPD).

14-tägliche Leerung

Das Pilotprojekt Mülltrennung war, nachdem es vor einem Jahr im Versuchsgebiet der Südstadt mit einer wöchentlichen Leerung der Tonnen gestartet war, Mitte September wieder auf eine 14-tägliche Leerung umgestellt worden. Es habe ausreichend Volumen in den Tonnen gegeben. So lautete das Argument der Stadtreiniger. Sprecherin Birgit Knebel betont: „Niemand hat jetzt weniger Tonnen-Volumen als vorher, sondern für den gleichen Zeitraum insgesamt sogar 80 Liter mehr.“

Anwohner wie Dr. Friedemann Berg monierten während der Ortsbeiratssitzung: „Der Müll stapelt sich am Straßenrand, das verursacht ein massives hygienisches Problem. Wir wünschen eine wöchentliche Leerung zurück.“

Aber auch das wurde von den Ortsbeiratsmitgliedern beobachtet: In den Tonnen landen zunehmend Wertstoffe wie Papier, Bauschutt, Heckenschnitt und sogar Kleider und Schuhe, die vorher an anderer Stelle, in Containern oder als Sperrmüll entsorgt wurden. „Kein Wunder, dass die Tonnen dann voll sind“, sagt Elisabeth Schäfer (CDU).

„Die Sortierdisziplin lässt nach“, sagt Antje-Marie Seiffert (Grüne). Es müsse gegengesteuert und mehr informiert werden. Für die Abschaffung des unliebsamen gelben Sacks lohne sich ein wenig Anstrengung. Müllvermeidung müsse mehr propagiert werden. Ihr Fraktionskollege Roland Schäfer sagt: „So leicht können wir es uns nicht machen und einfach eine wöchentliche Leerung oder größere Tonnen fordern.“ „Bei so einem schönen Projekt kommen Missstände katastrophal an“, sagt Thomas Geiser (CDU).

Frank Appel von den Stadtreinigern war entsetzt über die Berichte des Ortsbeirats über die mangelhafte Mülltrennungsdisziplin. „Wenn alles in der Nassen und Trockenen Tonne entsorgt wird, herrscht hier ein großes Missverständnis. Die Basis für das Projekt ist die Sortierung.“

Für Abhilfe könne nur eine verstärkte Information sorgen. Denn klar sei: Eine doppelte Leerung koste auch doppelt so viel, aber das Projekt müsse kostenneutral funktionieren. DREI FRAGEN

Von Christina Hein

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