3,7 Prozent der Einwohner in Stadt und Kreis sind pflegebedürftig

In der Altenpflege droht der Notstand

Kassel. In der Altenpflege droht der Notstand: Bundesweit steigt die Zahl der Pflegebedürftigen in 20 Jahren von derzeit 2,2 Millionen auf drei Millionen an. In der Stadt Kassel beläuft sich die Zahl der Pflegebedürftigen auf 7300.

Fünf Jahre zuvor waren es 1000 weniger. Im Landkreis sind 8900 Menschen pflegebedürftig. Bei 440 000 Einwohnern in Kassel Stadt und Kreis macht das 3,7 Prozent aus.

„Die heutigen finanziellen Mittel der Pflegeversicherung reichen für die wachsende Zahl an Pflegebedürftigen nicht aus“, prognostiziert Michael Schmidt, der Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt Nordhessen. Vor allem für die steigende Zahl der Demenzkranken müsse der Gesetzgeber jetzt die Weichen stellen. Die Zahl von bundesweit einer Million Demenzkranker wird sich in 20 Jahren verdoppeln.

Schon jetzt klafft eine Lücke zwischen dem Bedarf an Pflegekräften und den zu Pflegenden. „Die Schere wird in Zukunft weiter auseinandergehen“, sagt Silke Sennhenn, die Sprecherin der Kasseler Arbeitsagentur. In Kassel und im Landkreis werden in Pflegeberufen zurzeit über 100 Menschen gesucht, davon allein 80 Altenpflegehelfer. Das geht aus dem hessischen Pflegemonitor hervor. „Der demografische Wandel hat die Pflegebranche erfasst“, sagt Sennhenn. Auf der Beliebtheitsskala der Ausbildungsberufe nimmt die Altenpflege jedoch einen hinteren Rang ein. „Berufe der Altenpflege sind im Vergleich zur Krankenpflege weniger beliebt - auch weil sie schlechter bezahlt werden“, sagt der Leiter der beruflichen Willy-Brandt-Schule in Kassel, Reiner Heine.

Der Mindestlohn in der Altenpflege beträgt 8,50 Euro. Die Schieflage wird an den Schülerzahlen deutlich, die sich in die Gesundheitsklassen der Fachoberschule eingewählt haben: Von 110 Schülern haben sich 85 für den Bereich Kranken- und nur 25 für die Altenpflege entschieden.

Von Christina Hein

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