Altes Relief soll restauriert an Goethestraße aufgestellt werden

Zerstörung: In den 1990er-Jahren wurde das Relief als Drogendepot genutzt. Dealer hatten Glasbausteine herausgeschlagen.

Kassel. Seit 15 Jahren ist es aus dem Blickfeld der Kasseler verschwunden. Nun soll das 14 Meter lange und zwei Meter hohe Glasrelief, das den stilisierten Kasseler Stadtplan zeigt, aus der stillgelegten Unterführung am Hauptbahnhof geborgen werden.

60.000 bis 70.000 Euro sind für Bergung und Restaurierung nötig. Den Großteil der Kosten will die Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft (GWH) tragen, vor deren Mietshaus in der Goethestraße 15 das Kunstwerk des verstorbenen Kasseler Grafikers Dieter von Andrian aufgestellt werden soll.

Die Zeit läuft: Bis Herbst muss das Relief in der ehemaligen Fußgängerunterführung abgebaut und abtransportiert werden. Anschließend will die Stadt die ehemalige Unterführung aus Sicherheitsgründen verfüllen.

Nachdem die HNA im März zum ersten Mal über den seit Jahren verschollenen Kunstschatz berichtet hatte, war das Interesse von GWH-Geschäftsführer Stefan Bürger geweckt. Er setzte sich mit der Stadt, dem Stadtmuseum und den Töchtern des Künstlers dafür ein, dass das 1968 zur Einweihung der Unterführung eingebaute Kunstwerk wieder sichtbar wird.

Neue Heimat: Vor dem Hochhaus, Goethestraße 15, soll das Relief aufgestellt werden.

Schon in den 1990er-Jahren war vom Glanz der von hinten beleuchteten Glaskunst wenig zu sehen. Drogenhändler hatten einzelne Glasbausteine mit einem Hammer herausgeschlagen, um in den Hohlräumen ihre Ware für Abnehmer zu deponieren. Um das Relief vor einer kompletten Zerstörung zu bewahren, verschalte es das städtische Tiefbauamt Ende der 1990er-Jahre mit Bauplatten. So geriet es für lange Zeit in Vergessenheit.

Als das Relief Anfang dieses Jahres wieder freigelegt wurde, war zunächst unklar, ob ein Abbau und eine Rekonstruktion überhaupt möglich und bezahlbar sind. Mit Fachleuten wurde dies inzwischen geklärt. Auch wurde ein Kontakt zu der Firma hergestellt, die seinerzeit die farbigen Glasbausteine gegossen hatte.

Mit dem 1955 von Paul Bode gebauten Hochhaus gebe es einen passenden Standort für die Kunst, sagt Stefan Bürger. Zwar handele es sich um ein Privatgrundstück, aber die Fläche vor dem Haus sei mitten im öffentlichen Raum. Geplant sei, das Relief – wie damals – von hinten zu beleuchten. Die entsprechenden Bauanträge seien auf dem Weg.

Derzeit ist Bürger auf der Suche nach weiteren Sponsoren aus der Kasseler Wirtschaft. „Die GWH kann die Summe nicht alleine tragen, auch wenn wir den größten Teil übernehmen“, sagt Bürger.

Von Bastian Ludwig

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