„79 Sekunden Wartezeit“

Altmarkt: Baurat verspricht trotz Überwegen nur minimal längere Rotphasen

Kassel. An 79,4 Sekunden wird sich Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) messen lassen müssen. So lange sollen Autofahrer am Altmarkt im Nachmittagsverkehr durchschnittlich warten, wenn dieser Ende 2015 umgebaut ist.

Trotz Wegfall der Fußgängertunnel und des Baus drei neuer Fußgänger- und vier Radüberwege würde sich damit die Wartezeit nur um eine Sekunde verlängern. Dies zumindest ist das Ergebnis eines von der Stadt beauftragten Gutachtens, auf das sich Nolda stützt.

Die aktuellen Staus während der anderthalbjährigen Bauphase seien ein Ausnahmezustand und nicht vergleichbar mit der Situation nach dem Umbau, sagte Nolda. Nach dem 4,2 Mio. Euro teuren Umbau werde der Verkehrsfluss weder deutlich besser noch schlechter sein. Die Sanierung habe viel mehr das Ziel, einen der ältesten Knotenpunkte Kassels instand zu setzen. Auch die Kanäle müssten dringend in Ordnung gebracht werden.

Lesen Sie dazu auch: 

- Umbau früher und heute: Als es am Altmarkt spukte

- Altmarkt: Auftakt der Bauarbeiten

Dass sich die Wartezeiten trotz der Überwege für Fußgänger und Radfahrer nicht wesentlich verlängerten, hänge mit der Ampelschaltung zusammen. Wenn die Fußgänger und Radfahrer Grün hätten, habe auch der parallel verlaufende Autoverkehr freie Fahrt. Nur die Zeit, die die Fußgänger bräuchten, um die Überwege nach dem Umspringen der Ampel auf Rot freizumachen, kämen als Wartezeit für die Autofahrer hinzu.

Die Frage, warum die Fußgängertunnel nicht erhalten bleiben, begründet Nolda vor allem mit der Barrierefreiheit. Bei Neubauprojekten sei diese zwingend. Die Einstiege in die Tunnel hätten neben den Treppen zwar Rampen für Kinderwagen – aber mit über 30 Prozent Neigung. Zulässig seien heute maximal sechs Prozent. Einzige Alternative seien Fahrstühle. Bei Kosten von 200.000 bis 300.000 Euro pro Fahrstuhl sei dies aber zu teuer, zumal zudem regelmäßig Wartungen nötig sein. An einer Kreuzung, die ohnehin nicht von vielen Fußgängern überquert werde, stehe dieser Aufwand in keiner Relation.

Nicht mehr Fahrspuren

Für eine Verbesserung des Verkehrsflusses sieht Uwe Bischoff vom Straßenverkehrsamt keine Chance. Denn die Straßenschluchten seien zu eng, um weitere Fahrspuren zu schaffen. Aktuell sind dort täglich bis zu 100.000 Autos unterwegs. Dennoch werde der Altmarkt „leistungsfähig“ sein, sagte Nolda. Andernfalls gebe es auch keine 80-prozentige Förderung vom Land.

Exakte Angaben, wie lange Autofahrer an welcher Ampel ab 2016 warten müssen, sind nicht möglich. Denn die computergesteuerte Anlage reagiert auf das Verkehrsaufkommen und schaltet je nach Tageszeit unterschiedlich.

Von Bastian Ludwig

Rubriklistenbild: © Koch, Lothar

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.