Altmarkt: Trotz Stauprognosen hält der Stadtbaurat am Umbau fest

Kassel. Die Kreuzung Altmarkt soll in diesem Jahr wie geplant mit drei zusätzlichen Fußgängerüberwegen umgebaut werden. Das bekräftigte am Montag Kassels Stadtbaurat Dr. Joachim Lohse (parteilos). Ein von der HNA veröffentlichtes Verkehrsgutachten hat erneut Kritiker des umstrittenen Projekts auf den Plan gerufen.

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Der Stadtverordnete Bernd W. Häfner (Freie Wähler) hat am Montag gefordert, die Altmarktplanung zu stoppen und alle Gutachten öffentlich zu machen. Auch er selbst kenne die Untersuchungen im Auftrag der Stadt bisher nicht. Seiner Ansicht nach steuere der Magistrat bewusst auf ein Verkehrschaos zu. „Wir brauchen mehr Transparenz in dieser Sache“, sagt Häfner. Noch sei es nicht zu spät, die erheblichen Fehlentscheidungen zu korrigieren. Die hessische Landesregierung forderte der Stadtverordnete auf, die Finanzierungszusage für den Altmarkt-Umbau unter Vorbehalt zu stellen.

Stadtbaurat Lohse, der den Grünen nahesteht, will jetzt dafür sorgen, dass das aktuellste Gutachten im Internet-Auftritt der Stadt für jeden Interessierten nachzulesen ist. Im November 2009 hatte die Dr. Brenner Ingenieurgesellschaft ergänzende Betrachtungen zur Verkehrsuntersuchung Altmarkt auf der Basis neuer Berechnungen vorgelegt. In dieser Bewertung werde deutlich, dass es durch den Altmarkt-Umbau nur zu geringfügigen Verschlechterungen kommen werde, sagt Lohse: „Man bekommt das in etwa so hin wie heute - das ist ein großer Erfolg.“ Wartezeiten und Staus an der Kreuzung würden sich also keineswegs dramatisch ausweiten, wie von Kritikern des Umbaus behauptet werde.

Die Bewertung der Untersuchung aus 2009 dokumentieren wir unten im Vergleich mit der jetzt erst öffentlich bekannt gewordenen Untersuchung aus 2008. Die Stadt will an der Kreuzung eine moderne verkehrsabhängige Steuerung der Ampeln einbauen. Zudem soll der Verkehrsknoten, über den täglich mehr als 60 000 Autos rollen, entlastet werden. Zum Beispiel sollen Buslinien künftig über die Hafenbrücke statt über die Fulda-brücke geführt werden. Die Hafenbrücke soll nach der Fertigstellung eine günstige Alternativroute für den Pkw- und vor allem den Lkw-Verkehr werden. Von der Dresdener Straße bis zum Holländischen Platz werde es laut Stadtverwaltung für Autofahrer eine grüne Welle geben.

An dem Beschluss der Stadtverordneten, die sich im Februar 2010 mit der Stimmenmehrheit von SPD, Grünen und Linken für den Altmarkt-Umbau mit Fußgängerüberwegen ausgesprochen haben, will Lohse festhalten. Seiner Meinung nach gehören Fußgänger und Radler nicht in Tunnels, sondern an die Oberfläche. Die bisherige Planung habe viel Geld gekostet, damit müsse man verantwortlich umgehen. Zudem sei der insgesamt zwei Millionen Euro teure Keuzungsumbau dieses Jahr im Förderprogramm des Landes Hessen, das 80 Prozent der Kosten zahlt.

Auch weil im Jahr 2012 die documenta viele Besucher nach Kassel locken wird, müsse 2011 gebaut werden. Der Schwerpunkt der Bauarbeiten werde in die Sommer- sowie Herbstferien gelegt, damit es möglichst geringe Verkehrsbehinderungen gebe.

Befürworter des Umbaus

Die umstrittene Planung für den Umbau der Altmarkt-Kreuzung mit Fußgänger-Überwegen statt Tunnels wurde unter Stadtbaurat Norbert Witte (CDU) gestartet. Er hatte bereits auf Verschlechterungen für Autofahrer hingewiesen. Diese würden sich in Grenzen halten, sagt Wittes Nachfolger Dr. Joachim Lohse (parteilos). Die SPD-Fraktion mit Uwe Frankenberger an der Spitze und die Grünen mit Fraktionschef Gernot Rönz setzten den Beschluss durch. Für den Umbau sorgt das Straßenverkehrs- und Tiefbauamt. Amtsleiter Gunnar Polzin wird die neue Kreuzung nicht mehr erleben, weil er im Sommer beruflich nach Bremen wechselt. (ach)

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