Die Altstadt zum Anfassen: Bronzemodell von Kassel soll entstehen

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Vielerorts bereits im Einsatz: Wir hier in Fulda gibt es in vielen Städten Bronzemodelle von Städten. Sie sind besonders für Blinde hilfreich, um sich durch Abtasten einen Eindruck von der Stadt zu machen.

Kassel. Ein Bronzemodell von der im Krieg zerstörten Kasseler Altstadt: Nach den Wünschen des Vereins der Gäste- und Museumsführer in Kassel sollte ein solches in der Innenstadt stehen.

Um die Pläne umzusetzen, sammelt der Verein ab sofort Spenden. Vergleichbare Stadtmodelle aus Bronze gibt es bereits in vielen deutschen Städten. Sie helfen Blinden, einen Eindruck vom aktuellen oder früheren Stadtbild zu bekommen, sind aber auch für alle anderen Touristen interessant.

„Für Blinde haben wir in Kassel bei Führungen noch wenig zu bieten“, sagt Claudia Panetta-Möller, Vorsitzende des Vereins. In den wenigsten Museen dürften Exponate angefasst werden, und auch bei Stadtführungen würden die Gästeführer schnell an ihre Grenzen stoßen. „Was für Sehende selbstverständlich ist, muss ausführlich erläutert werden.“ Ein 3D-Modell der Altstadt sei sehr hilfreich, um Blinden die Kasseler Altstadt näher zu bringen. Aber auch für Kinder und nicht sehbehinderte Touristen sei ein solches Modell interessant. An ihm könnten die Gästeführer die Entwicklung der Stadt anschaulich erläutern. „So etwas bleibt im Gedächtnis“, sagt Panetta-Möller.

Zum Weltgästeführertag, der in diesem Jahr am 18. Februar stattfindet, soll die Werbetrommel für das Projekt gerührt werden. An diesem Tag werden sechs kostenlose Führungen angeboten, aber die Teilnehmer werden um Spenden gebeten. 38 000 Euro sind nötig, um das Bronzemodell erstellen zu lassen. „Um diese Summe einzuwerben, müssen wir auch Firmen und Institutionen als Spender gewinnen“, sagt Panetta-Möller.

Für das Modell, das in der Regel auf einem Steinsockel steht, sei ein zentraler Platz wie der Friedrichsplatz wünschenswert. Dieser könne auch als Treffpunkt für Stadtführungen dienen, die derzeit häufig an der Tourist-Information an der Wilhelmsstraße starteten. Das sei aber kein idealer Ausgangspunkt für Führungen.

„Am Besten wäre ein Modell, das Kassel im Zustand vor 1766 zeigt, als Stadtmauern und Grabensystem noch bestanden. Das ist zum Abtasten sehr interessant“, sagt Margret Baller, stellvertretende Vorsitzende des Vereins, zu dem 61 Stadt-, Museums- und Naturparkführer gehören. Solche Modelle sind in anderen Städten auch mit Blindenschrift versehen, um einzelne Gebäude zu erläutern.

Julia Ronge, die dank einer speziellen Ausbildung regelmäßig Blinde und Sehbehinderte durch die Stadt und ihre Museen führt, ist von der Idee begeistert. Ein solches Modell sei aber auch für alle anderen Gruppen ein Gewinn.

Spenden-Kontakt: Interessierte Personen wenden sich sich an Claudia Panetta-Möller, info@kassel-gaestefuehrer.de, 0176/ 54 46 60 16

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