Fragen und Antworten zur Umrüstung

"Sprechende" Ampeln in Kassel: Stadt rüstet Anlagen mit neuer Technik um

+
Direkte Kommunikation mit dem Auto? Kassel will Ampeln technisch umrüsten.

Kassel. Kassel investiert in intelligente Verkehrssysteme und rüstet nach und nach bis 2020 Ampeln an 60 Kreuzungen im Stadtgebiet technisch so um, dass sie mit Fahrzeugen kommunizieren können.

„Der Autofahrer erfährt so direkt im Wagen, ob er an der nächsten Ampel die Grünphase schafft oder nicht“, erklärt Dr. Georg Förster, Leiter des Straßenverkehrs- und Tiefbauamt der Stadt Kassel. Mit diesem Wissen könne er seine Fahrweise anpassen und müsse so nicht unnötig bremsen oder beschleunigen.

Stopps vor einer roten Ampel sollen dadurch um bis zu zehn Prozent reduziert werden. Das geht aus einer Studie der Technischen Universität München hervor, mit der die Stadt Kassel zusammenarbeitet. Das sei zwar für jeden einzelnen Autofahrer im Alltag kaum spürbar, sagt Förster: „Doch in der Summe werden Schadstoffe in der Luft erheblich gesenkt und auch der Lärm wird reduziert.“

Nicht nur Autofahrer sollen von dieser neuen Technik profitieren, auch der Öffentliche Personennahverkehr soll besser rollen. Und so wiederum kann mehr Freigabezeit an den Ampeln für Radfahrer oder Fußgänger gewonnen werden.

Den Austausch von Informationen macht das spezielle pWLan möglich, das nur für die Kommunikation zwischen Fahrzeugen und Ampeln funktioniert. Kassels Ampeln werden mit einem speziellen WLan-Hotspot ausgestattet, und können so Daten an den Autofahrer senden oder von ihm empfangen. Die Information, wann eine Ampel grün oder rot ist, erhält der Autofahrer über eine entsprechende kostenlose App für das Smartphone. Bei dem Projekt der Stadt Kassel macht außerdem Volkswagen mit. „Ab 2019 rüstet VW eine erste Modellreihe mit pWLan aus“, sagt Förster. So sei das Auto direkt mit der Infrastruktur vernetzt. 

Fragen und Antworten: Stadt rüstet 60 Kreuzungen mit neuer Technik um

Wie genau funktioniert die Kommunikation zwischen Ampel und Auto, die die Stadt Kassel nun umsetzen möchte?

Die Ampeln in Kassel werden mit speziellen WLan-Hotspots ausgestattet. Das macht die V2x-Kommunikation möglich. Das V steht für vehicle, zu Deutsch: Fahrzeug, und das x steht für verschiedene Geräte. Die Ampeln können Daten von Autos empfangen und an sie senden und auch untereinander kommunizieren. Die Verkehrsrechnerzentrale wird deswegen ausgebaut. Und Daten übermittelt die Stadt außerdem auch an den sogenannten Mobilitätsdatenmarktplatz (MDM). Diese Plattform, angesiedelt an Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, tauscht Daten über Verkehrsströme, Staus und Baustellen aus.

Ich möchte, dass mein Auto mit Ampeln kommuniziert. Was muss ich tun?

Die Stadt stellt für Nutzer eine kostenlose App für das Smartphone zur Verfügung. Die zeigt dann an, ob Autofahrer mit ihrer aktuellen Geschwindigkeit die nächste Grünphase schaffen oder nicht. Der Austausch erfolgt dabei über den Mobilfunk. Autofahrer sollen das Smartphone natürlich nicht am Steuer bedienen, sondern es lieber mit einer Halterung befestigen.

Was hat Volkswagen mit dem Projekt zu tun?

Volkswagen rüstet ab 2019 eine erste Modellreihe serienmäßig mit der pWLan-Technologie aus. Dabei werden Informationen zwischen Fahrzeugen, sofern beide mit pWLan augestattet sind, und zwischen Fahrzeug und Verkehrsinfrastruktur ausgetauscht. Somit kann Wissen über Verkehr, Unfälle und andere Situationen im Verkehr noch schneller zur Verfügung gestellt werden, heißt es auf der Homepage von VW. Dr. Georg Förster ist überzeugt: „Auch andere Autohersteller werden in Zukunft nachziehen.“ Der Vorteil von Autos mit pWLan: Man sei, anders als bei der App, nicht von Mobilfunkanbietern abhängig.

Welche Kreuzungen in Kassel sind betroffen?

Sämtliche Kreuzungen im gesamten Innenstadtring und in der Frankfurterstraße, so Dr. Förster.

Welche Vorteile hat es, wenn Ampeln mit Autos kommunizieren?

Laut der Stadt Kassel erhöht die neue Technik die Verkehrssicherheit, weil Autofahrer ihre Fahrweise an die Ampeln anpassen und so weniger bremsen und beschleunigen müssen. Autofahrer müssen außerdem weniger stoppen. „Hat ein Autofahrer beispielsweise zehn Ampeln auf seinem Weg von zehn Kilometern, muss er an neun halten“, erklärt Förster.

Lohnt sich das dann überhaupt?

„Als einzelner Autofahrer wird man die Ersparnis wohl kaum spüren“, sagt Förster. Doch berechne man jeden einzelnen Autofahrer, der weniger an Ampeln stoppen muss, sei das Einsparpotenzial insgesamt enorm.

Heißt das auch, dass Autofahrer schneller durch die Stadt kommen, weil sie bessere Chancen auf eine „grüne Welle“ haben? !„Nein, eine grüne Welle für alle gibt es nicht“, betont Förster. Schon wegen des Gegenverkehrs, des Querverkehrs und vielen weiteren Teilnehmern, wie Bussen, Straßenbahn, Radfahrer und Fußgänger sei es nicht möglich, eine „grüne Welle“ für Autofahrer herzustellen. „Da gibt es physikalische Grenzen.“

Gibt es auch Vorteile für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV)?

Ja. Freigabezeiten sollen noch passgenauer geschaltet werden. Das heißt, Busse bzw. Straßenbahnen sollen mit weniger Stopps an Ampeln in eine Richtung fahren können. Damit man besser vorhersagen kann, wann ein Bus oder eine Straßenbahn eine Ampel passiert, sollen auch diese mit der V2x-Technologie ausgestattet werden. Auch Radfahrer und Fußgänger profitieren, weil auch sie an Ampeln mehr Freigabezeit gewinnen.

Wer finanziert die Umrüstung und die neue Technik?

Kassel ist eine von sechs Städten, deren Infrastruktur analysiert werden soll, um eine Anpassung optimal durchführen zu können. Verteilt auf mehrere Projekte hat das Bundesverkehrsministerium bereits Förderungen zur weitergehenden Digitalisierung der Verkehrssteuerung in Kassel in Höhe von mehr als zwei Millionen Euro bewilligt.

Test in Hamburg: Großstadt testet Ampelphasentest

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Von Christina Schröder

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Schurl
(0)(0)

Würde es nicht in einem ersten Schritt genügen die weit mehr als 10 Jahre Rückstand gegenüber "asiatischen Entwicklungsländern" aufzuholen und die Ampeln mit sowohl für Fußgänger wie auch Kfz herunterzählender Restzeit in sec, sowohl für grün wie auch rot, auszustatten. Dies entspannt ungemein, Entschleunigung als Stichwort, und hilft beim Spritsparen da klar erkennbar ist wann es sich lohnt den Motor auszustellen.
Zum anderen schließe ich mich anderen Kommentaren an - den Unfug im Artikel weder kaufen, noch installieren noch nutzen.

StrabafahrerKSAntwort
(0)(0)

Manches wäre in der Tat mit etwas Wissen einfacher. "Grüne Wellen" kann es ebenso wie "rote Wellen" nicht geben. Das ist physikalisch u. technisch unmöglich. Google hilft ggf. weiter.

Michael v. Klopmann
(0)(0)

... in Kassel sind sowieso die meisten Ampeln so geschaltet, dass die nachfolgende bei normaler Geschwindigkeit wieder rot ist. Was hilft dann eine APP, die mir sagt, dass die nächste Ampel entweder bei 12 km/h grün sein wird oder bei 80 km/h ? Man könnte viel Geld sparen, wenn man die Zeit, die hier investiert wird um rote Wellen zu schalten, dafür nutzen würde, grüne Wellen zu schalten. Manches könnte so einfach sein...

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.