Rot-Phasen nie länger als 100 Sekunden

Der Ampeltest der HNA: Oft nur zehn Sekunden grün geschaltet

Kassel. Die Diskussion um eine „grüne Welle“ in Kassel ist alt. Nach unserem Bericht über die Einschätzung des Straßenverkehrsamtes, dass sie für Kassel nur in Ausnahmen realisierbar ist, hat sie neue Fahrt aufgenommen. Daher machten wir den Ampeltest.

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An vier Kreuzungen prüften wir, wie lange Autofahrer dort warten müssen. Der Test mit der Stoppuhr (jeweils mehrere Messungen) ist eine Momentaufnahme, da die Ampeln bis zu vier Mal in 24 Stunden ihre Schaltung ändern und so den Tageszeiten anpassen.

Bei allen überprüften Ampeln wurde deutlich, dass das Kreuzen von Bussen und Bahnen starken Einfluss darauf hat, wie schnell Autofahrer voran kommen. In der Regel erhält der öffentliche Nahverkehr bevorzugt Grün. Länger als 100 Sekunden dauerte es aber nie bis zur nächsten Grünphase – gefühlt ist es aber eine Ewigkeit.

Überprüfte Fahrspur: Linksabbiegerspur in Richtung Wilhelmshöher Allee. Uhrzeit: 14 Uhr Rotphase: 80 Sekunden Grünphase: 10 bis 15 Sekunden Beobachtungen: Die Ampelschaltung ist besonders stark vom öffentlichen Nahverkehr sowie Fußgängern beeinflusst. Wie viel Zeit die Autofahrer haben, um über die Ampel in Richtung Wilhelmshöher Allee zu gelangen, hängt ganz stark davon ab, wie viele Busse und Bahnen gerade vom Rathaus abfahren, beziehungsweise die dortige Haltestelle anfahren. Wenn Bahnen oder Busse an die Kreuzung fahren, dann erhalten sie nach wenigen Sekunden oder sogar unmittelbar freie Fahrt. Dadurch verkürzt sich die Grünphase für den Autoverkehr. Sie variierte bei unserem Test zwischen 10 bis 15 Sekunden.

Überprüfte Fahrspur: Geradeausverkehr von der Kurt-Wolters-Straße in Richtung Schützenstraße (Autobahnzubringer). Uhrzeit: 15 Uhr Rotphase: 60 Sekunden Grünphase: 40 Sekunden Beobachtungen: Die Geradeausspur am Katzensprung ist (mal wieder) völlig überlastet. Der Rückstau reicht bis zum Holländischen Platz. Obwohl die Grünphase relativ lang ist, kann der Rückstau nicht richtig abfließen. Problem ist, dass nur eine Spur ausschließlich dem Geradeausverkehr vorbehalten ist. Eine weitere Spur teilt er sich mit den Rechtsabbiegern, die in Richtung Altmarkt wollen. Die Rechtsabbieger müssen aber warten, bis die Fußgänger den Überweg über die Weserstraße überquert haben, dessen Ampel parallel auf Grün schaltet. Dadurch stockt es auf dieser Spur.

Überprüfte Fahrspur: Geradeausspur von der Brüderstraße auf die Weserstraße Uhrzeit: 14.30 Uhr Rotphase: 65 Sekunden Grünphase: 7 bis 32 Sekunden Beobachtungen: Auch der Altmarkt ist stark vom Bus- und Straßenbahnverkehr betroffen. Dieser hat erheblichen Einfluss auf die Grünphase des Autoverkehrs. Bei vier Messungen erhielten die Autofahrer nur einmal 30 Sekunden Zeit, um den Altmarkt in Richtung Weserstraße zu überqueren. Sonst variierte die Grünphase zwischen 7 und 17 Sekunden, weil Busse und Bahnen Grün angefordert hatten. Fußgänger werden bislang unterirdisch geführt.

Überprüfte Fahrspur: Linksabbieger von der Fünffensterstraße auf die Frankfurter Straße. Uhrzeit: 14.15 Uhr Rotphase: 100 Sekunden Grünphase: 8 bis 20 Sekunden Beobachtungen: Wegen der Straßenbahnen und Busse, die aus Richtung oder in Richtung Weinberg unterwegs sind, verkürzt sich häufig die Grünphase der Linksabbieger. Bleiben weniger als 15 Sekunden Zeit, schaffen es nicht alle in der Kolonne über die Ampel. Autofahrer warten dann mit 100 Sekunden ziemlich lang auf erneutes Grün.

Von Bastian Ludwig

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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