Raub und Körperverletzung: Schuld sind immer die anderen

Kassel. Der Angeklagte ist mitteilsam. Mal gesteht er, meist leugnet er, doch immer hat er viel zu sagen. Und immer waren eigentlich die anderen schuld. Zumindest ein bisschen. Dreimal soll der 24-Jährige zugeschlagen haben.

Soll einen Minicar-Fahrer und einen Besucher des Kasseler Stadtfests verletzt und einen Bekannten am Mattenberg beraubt haben, um zwei Handys und einen Schlüsselbund. So steht es in den Anklagen, über die vor dem Amtsgericht verhandelt wird. Doch das Einzige, was der arbeitslose Koch zugeben möchte, ist die Attacke auf dem Stadtfest 2011. „Das war eine Scheißaktion“, räumt er ein. „Das hätte man auch anders machen können.“ Bei einer zufälligen Rempelei habe er eine Bierflasche ans Kinn bekommen - und im Reflex zurückgeschlagen, mit der flachen Hand ins Gesicht. Einmal.

Der 21-Jährige, den er dabei unter dem Auge traf, spricht dagegen von zwei Faustschlägen, denen ein absichtlicher Schubser des Angeklagten und seines Begleiters vorangegangen sei. Und das mit der Flasche sei völlig unmöglich: „Wir hatten Plastikbecher.“ Dennoch: Die Körperverletzung ist unstrittig.

Das sieht bei den anderen beiden Tatvorwürfen ganz anders aus. Im Februar 2012 soll der Angeklagte nachts am Mattenberg einem 22-Jährigen von hinten mit einem Holzknüppel gegen den Kopf geschlagen und ihm seine beiden Mobiltelefone und den Wohnungsschlüssel weggenommen haben. „Ich wollte ihm eine klatschen“, gibt er zu. Weil ihm sein Gegenüber vor Monaten 200 Euro geklaut und noch immer nicht zurückgegeben habe. Aber: nur mit der Hand. Und einen Stock habe er auch gar nicht dabeigehabt. „Das Einzige, was ich in der Hand hatte, war eine Einkaufstüte.“

Der 22-Jährige habe jedoch die Flucht ergriffen, ehe er habe zuschlagen können - und dabei die Handys verloren. Die er daraufhin brav aufgesammelt und noch in derselben Nacht der Familie zurückgegeben habe. Sein mutmaßliches Opfer dagegen wird nicht müde, über den „feigen Knüppelangriff“ zu schimpfen. Die beste Figur macht allerdings auch er nicht. Auf Widersprüche in seinen Aussagen angesprochen, reagiert er sofort pampig: „Dann lassen wir die Scheiße hier, ich hab auch anderes zu tun!“

Minicar-Fahrer verprügelt?

Jegliche Tätlichkeit bestreitet der Angeklagte auch im dritten Fall: Zusammen mit seiner mitangeklagten 22 Jahre alten Freundin soll er eines frühen Morgens im Dezember 2011 einen Minicar-Fahrer verprügelt haben. „Ich hab nicht ein einziges Mal die Hand erhoben“, beteuert er. Stattdessen werfen er und seine Lebensgefährtin dem Fahrer vor, dass er sie mit Umwegen habe übers Ohr hauen wollen - und seinerseits aggressiv geworden sei, als sie ihn zur Rede stellten.

Der Prozess wird am 2. November fortgesetzt. (jft)

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