Haft für notorische Diebin

Amtsgericht schickt Diebin nach diversen Vorstrafen hinter Gitter

Kassel. Sieben Anklagen standen auf dem Programm, 31 Zeugen waren für diesen Prozess vor dem Amtsgericht geladen, doch kein einziger musste aussagen. Die Angeklagte räumte alles ein, damit war die Sache schnell erledigt. Die 31-jährige Mutter von vier Kindern ist allerdings kein unbeschriebenes Blatt.

In ihrem Vorstrafenregister stehen elf Einträge, zahlreiche Diebstähle, daneben Körperverletzung und weitere Delikte. Während der Taten, um die es jetzt vor dem Amtsgericht ging, stand sie unter Bewährung. Nun muss sie für eineinhalb Jahre ins Gefängnis

Sie zog vor zu schweigen, ihre Anwältin Gudrun Meyer gab eine Erklärung für sie ab. Demnach hat ihre Mandantin unter anderem einer anderen Frau dabei geholfen, eine Kunstledertasche aus einem Geschäft in der Unteren Königsstraße zu stehlen. Die unbekannte Mittäterin hatte die Tasche aus der Auslage genommen und wollte sich damit aus dem Staub machen. Als eine Verkäuferin die Diebin aufforderte, die Tasche zurückzugeben, mischte sich die Angeklagte ein, schlug und trat auf die Verkäuferin ein. Anwältin Meyer erklärte, die 31-Jährige habe die Tasche nicht stehlen wollen, sondern sich lediglich in die Rangelei eingemischt. Andere Diebstähle räumte die Angeklagte ein, so hatte sie eine Damenjacke und Herrenschuhe in zwei Geschäften mitgehen lassen. In einem anderen Fall warf ihr die Staatsanwaltschaft vor, sie habe an einer Straßenbahnhaltestelle zwei Frauen beschimpft, der einen das Handy abgenommen und es zu Boden geworfen, sodass es zerschellte. Anwältin Meyer sagte, ihre Mandantin habe ihrem damaligen Freund Geld gegeben und zum Zigarettenholen geschickt. Er habe stattdessen bei den beiden Frauen Drogen gekauft und sei dabei übers Ohr gehauen worden. Deshalb habe die Angeklagte die beiden Damen zur Rede stellen wollen, und dabei sei sie ausfällig geworden.

Psychiatrische Sachverständige Birgit von Hecker, die die 31-Jährige auf ihre Schuldfähigkeit hin untersucht hatte, konnte keine krankhafte Störung, auch keinen Hang zur Kleptomanie feststellen. Das Gericht folgte in vollem Umfang dem Antrag von Staatsanwalt Jan Uekermann, der wegen einer Zäsur, die durch eine Verurteilung im Zeitraum der Taten eingetreten war, zwei getrennte Strafen gefordert hatte: zehn und acht Monate ohne Bewährung.

Auffällig sei, so Richterin Focke, dass die Angeklagte, wenn sie ertappt wurde, oft handgreiflich wurde und andere Menschen verletzte. Mit Blick auf das lange Vorstrafenregister und die Tatsache, dass die aktuellen Taten unter laufender Bewährung begangen wurden, war keine Bewährungsstrafe möglich. Die 31-Jährige muss die anderthalb Jahre hinter Gitter verbringen, sie hat jedoch gute Aussichten auf den offenen Vollzug. (pas)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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