Amtsleiter und Geschäftsführer der Flughafen-GmbH: Rolf Hedderich geht in Ruhestand

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Tür zum gemeinsamen Vorzimmer: Kassels Kämmerer Dr. Jürgen Barthel muss künftig ohne Rolf Hedderich auskommen. Der Leiter des Kasseler Amtes Kämmerei und Steuern geht in den Ruhestand.

Kassel. Stolz ist Rolf Hedderich darauf, dass es ruhig um ihn und sein Amt war. Damit meint er die gute, aber „geräuschlose“ Arbeit im Kasseler Amt Kämmerei und Steuern, das er seit 1995 geleitet hat. Geräuschlosigkeit versteht er als Auszeichnung.

Es zeige, dass Entscheidungen, die er mit den 90 Mitarbeitern traf, „akzeptiert werden“. Dabei war ihm stets bewusst, dass man sich mit Steuerbescheiden nicht beliebt macht.

Tür an Tür hat Hedderich mit seinem Chef gearbeitet. Kämmerer Dr. Jürgen Barthel (SPD) und er haben ein Vorzimmer. Trotz der langen gemeinsamen Zeit blieben beide beim „Sie“. „Ich bin eher preußischer Beamter und gegen das Genossen-Du“, sagt Hedderich, der seit Jahren SPD-Mitglied ist.

Ganz vorne in der ersten Reihe stand er nie gerne. Nur um die Jahrtausendwende ließ es sich nicht vermeiden, als er für kurze Zeit die Geschäfte der Flughafen-GmbH allein führte. Zwar sei er mal gefragt worden, ob er nicht woanders Kämmerer werden wollte. Dafür fehle ihm aber das politische Talent, sagt Hedderich. Pünktlich zum Ruhestand ist er nun doch in die erste Reihe gewechselt. Seit Anfang des Jahres ist er Vorsitzender seines Fußballklubs, dem Spielverein 06 Rothenditmold.

Trotz der Geräuschlosigkeit war Hedderichs Laufbahn alles andere als langweilig. Gerne denkt er an die Öffnung der innerdeutschen Grenze und den Ansturm zehntausender DDR-Bürger auf Kassel. In vielen Telefonaten gelang es Hedderich die Reserven der Stadt für das Begrüßungsgeld von 400 000 auf 800 000 D-Mark zu verdoppeln. Bündelweise habe er das Geld an die Kollegen in den Besucheranlaufstellen verteilt. Das Geld reichte für fast 8000 Auszahlungen an diesem 19. November 1989.

Bundesweite Bekanntheit erlangte Hedderich mit der Verpackungssteuer, die er als Amtsleiter mit entwickelt hatte. 1998 befand das Bundesverfassungsgericht die Abgabe für nicht rechtmäßig. Groll hege er deswegen nicht. „Der Gedanke lebt weiter“, sagt Hedderich. Schließlich werde inzwischen Flaschenpfand erhoben und bei großen Festen komme viel häufiger Mehrweg-Verpackung zum Einsatz. „Wir waren die Vorreiter.“

Neben dem Spielverein 06 hat Rolf Hedderich ein weiteres Projekt für den Ruhestand. Eine Wohnung in seinem Elternhaus will er barrierefrei umbauen. Auch im Sinne seiner Frau ist für den Finanz-Experten aber eines klar: „Den privaten Haushalt werde ich nicht neu organisieren.“

Von Claas Michaelis

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