Amtsleiterin: Mussten Mitarbeiter Doktorarbeit tippen?

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Jutta Bott

Kassel. Es sind schwere Vorwürfe, die von einer Sekretärin des Revisionsamtes gegen ihre Amtsleiterin Jutta Bott erhoben werden. Die 59-Jährige behauptet, eine andere Sekretärin des Amtes sei von Amtsleiterin Bott beauftragt worden, deren Doktorarbeit während der Dienstzeit abzuschreiben.

Bott, die im Oktober als Stadtkämmerin nach Osnabrück wechselt, bestreitet diese Vorwürfe.

Nachdem das Personalamt durch Oberbürgermeister Bertram Hilgen damit beauftragt wurde, die Einleitung eines Disziplinarverfahrens zu prüfen, hat Bott dies inzwischen auch auf eigenen Wunsch gegen sich eröffnen lassen. Seine Mandantin habe nichts zu verbergen und werde sich der Überprüfung freiwillig stellen, sagte Botts Anwalt Wilfried Mosebach. Der Vorwurf, die Sekretärin habe die Dissertation seiner Mandantin während der Arbeitszeit geschrieben, entbehre jeder Grundlage.

Text auf Rechner gefunden

 Ansatzpunkt für Vorermittlungen des Personalamtes ist, dass zumindest Teile der Doktorarbeit auf dem Rechner im Rathaus gespeichert waren. Der Text befand sich Ende Juni/ Anfang Juli in der Endredaktion. Die 59-Jährige, die seit 2010 mit ihrer Vorgesetzen im Zwist liegt, entdeckte die Texte und teilte dies dem Oberbürgermeister am 24. Juli mit. Außerdem behauptete sie Bertram Hilgen gegenüber, Bott habe eine Privatfahrt als Dienstfahrt abgerechnet.

Nach den Schilderungen der 59-Jährigen, die seit 1989 im Revisionsamt arbeitet und Ende des Monats in Vorruhestand geht, sei zunächst nichts passiert. Deshalb habe sie ihre Anschuldigungen in einer E-Mail an alle Rathaus-Fraktionen öffentlich gemacht. Daraufhin berichtete gestern der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken, Kai Boeddinghaus, auf der Internetseite Rathausblog über die Vorgänge.

„An Haaren herbeigezogen"

Der von Bott beauftragte Anwalt Wilfried Mosebach bezeichnet alle Vorwürfe als an den Haaren herbeigezogen. Eine erste Prüfung des Personalamtes habe bereits ergeben, dass seine Mandantin sich nichts zu Schulden kommen lassen habe. Nachdem die Vorwürfe nun öffentlich geworden seien, habe die Stadt offenbar weitere Prüfungen angestoßen.

Auf dem Rathaus-Rechner sei nur das Inhaltsverzeichnis der Doktorarbeit abgelegt gewesen, sagt Mosebach. Dies habe daran gelegen, dass Bott ihre Sekretärin bei dessen Formatierung um Hilfe gebeten habe. Dies werde auch von der betreffenden Sekretärin bestätigt. Keineswegs habe Jutta Bott ihre Sekretärin angewiesen, die Arbeit für sie abzuschreiben oder gar zu verfassen. „Jede Seite ist von meiner Mandantin zu Hause geschrieben worden", sagt Mosebach. Dies lasse sich nachweisen.

Von Bastian Ludwig

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