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Trend Straßentischtennis: An der Platte geht es jetzt rund

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Von: Matthias Lohr

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Immer mehr spielen Tischtennis und Straßentischtennis: Gwendolyn Persch (von links), Matthias Lohr sowie Lorenz und Klaus Stern spielen an der Luisenschule Kassel, während der achtjährige Moritz den dritten Satz anzeigt.
Der Schulhof wird zum Sportplatz: Gwendolyn Persch (von links), Matthias Lohr sowie Lorenz und Klaus Stern spielen an der Luisenschule, während der achtjährige Moritz den dritten Satz anzeigt. © Andreas Fischer

Immer mehr Menschen spielen Tischtennis im Freien. Auch in Kassel sind öffentliche Outdoor-Platten beliebt wie nie. Der Vereinssport sieht den Trend nicht als Konkurrenz.

Kassel – Immer wieder ist vom Fußballgott die Rede, aber praktisch nie vom Tischtennisgott. Sollte es Letzteren geben, meint er es zum Welttischtennistag am Mittwoch nicht gut mit den Tischtennisspielern: Es soll regnen und windig sein. Das ist nicht das beste Wetter für den neuesten Trend an der Platte: Denn immer mehr Menschen spielen an Outdoor-Platten auf Schulhöfen und öffentlichen Plätzen Ping Pong. Etwa an der Kasseler Luisenschule im Vorderen Westen.

Schulleiterin Ulrike Langer ist aufgefallen, dass die vier Platten auf dem Schulhof an der Querallee praktisch jeden Nachmittag nach Schulschluss genutzt werden: „Alle Altersklassen treffen sich hier, um Sport zu machen. Das hat seit Beginn der Pandemie deutlich zugenommen.“

Mit ihrer Beobachtung ist Langer nicht allein. Laut der „Welt am Sonntag“ ist Straßentischtennis zum „Flächentrend“ geworden. So treffen sich Hobby-Spieler vor allem in den Metropolen zum Zocken an der Platte. Auf der Seite streettabletennis.com können sie sich registrieren und dann überall gegeneinander antreten. Fast überall in der Republik gibt es Standorte, aber ausgerechnet Kassel fehlt noch.

Dabei ist auch Tischtennis-Kreiswart Dieter Salmen auf den Outdoor-Trend aufmerksam geworden. Vor allem im Westen Deutschlands seien Turniere an Steinplatten gut organisiert. „Der Fun-Faktor ist hoch“, sagt Salmen, der auch Abteilungsleiter bei der SVH Kassel ist.

Die jungen Leute, die draußen Ping Pong spielen, sind sonst eher im Club zuhause als in der Turnhalle. Salmen glaubt daher nicht, dass Straßentischtennis eine Konkurrenz für den Sport in der Halle ist: „Die Vereine profitieren davon.“ Denn einige Spieler werden vom Schulhof womöglich den Weg in die Halle finden.

Es gibt sogar schon Überlegungen, in Kassel Freiluftturniere auszutragen. Bei denen wird eigens mit schwereren Bällen gespielt, die weniger windanfällig sind. Zudem sagt Salmen, dass man gern einen Katalog erstellen wolle, wo alle Platten der Stadt verzeichnet sind.

Bundesweit gibt es so eine Internetseite schon. Ins Leben gerufen hat pingpongmap.net der Berliner Peter Ulrich. Ursprünglich waren dort nur Platten in der Hauptstadt verzeichnet. Längst findet man dort aber Standorte auf der ganzen Welt. In Kassel sind immerhin mehr als zwei Dutzend aufgelistet. Dies ist jedoch nur ein Bruchteil.

Laut einer Rathaussprecherin gibt es in Kassel 116 Standorte. Die Platten stehen nicht nur auf Schulhöfen und in Grünanlagen wie der Samuel-Beckett-Anlage, sondern auch an Jugendzentren, auf Spiel- sowie kleineren Stadtplätzen. Und Platte ist nicht gleich Platte. Die älteren sind komplett aus Betonstein, es gibt versiegelte Steinplatten, und die neueren sind aus einer Mischung aus Beton und Kunststoff (Polymerbeton). Hier verspringt der Ball kaum. Diese Tische sind laut der Sprecherin auch sehr haltbar und „vandalismussicher“.

Denn natürlich ist der Trend nicht nur positiv. Bei der Stadt hat man festgestellt, dass die „Freiraumangebote in den Grün-, Park- und Spielanlagen während der Pandemie sehr gut benutzt werden“. Erkennbar sei dies am höheren Reinigungsbedarf. Und am Uni-Campus an der Moritzstraße gibt es sogar richtig Ärger, weil sich Anwohner durch Tischtennisspieler gestört fühlen.

Für die Spieler klingt Ping Pong hingegen wie Musik. Auch der Entertainer Olli Schulz ist mittlerweile Fan. In seinem Podcast hat er Timo Boll, Deutschlands besten Spieler, zum Duell herausgefordert. Der ehemalige Weltranglistenerste aus dem Odenwald will vielleicht sogar mit einem Buch statt mit einem Schläger spielen. Boll könnte es sich erlauben. Einige halten ihn tatsächlich für einen Tischtennisgott. (Matthias Lohr)

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