Analyse: Darum hängt Ministerin Eva Kühne-Hörmann so an ihren Parteiämtern

Kassels CDU-Vorsitzende Eva Kühne-Hörmann.

Warum tut die Frau sich das an? Eva Kühne-Hörmann ist Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst. Allein kraft dieses Amtes gehört sie neben der Landesregierung weiteren 17 Gremien an.

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Das ist genug Arbeit - warum bleibt sie angesichts der heftigen parteiinternen Kritik nach den Wahlschlappen Ende März noch Kreisvorsitzende der Kasseler CDU und will ihr Stadtverordneten-Mandat behalten?

Der Journalist Jürgen Leinemann hat vor einigen Jahren in seinem Buch „Höhenrausch“ Politikern eine Art Suchtverhalten unterstellt - die Gier nach Macht, nach Bedeutung, nach öffentlichem Applaus. Diese Deutung trifft auf „EKH“, wie sie parteiintern genannt wird, bei ihren lokalen Funktionen kaum zu: Das Ministeramt überstrahlt das, was Eva Kühne-Hörmann in Kassel an öffentlichen Ämtern bekleidet.

Obwohl: Der Begriff „Macht“ könnte durchaus ein Schlüssel zur Antwort auf die Frage sein, warum sie am Parteivorsitz festhält.

Denn jeder Politiker braucht eine starke Basis in der Partei, um in Funktionen auf Regierungsebene zu gelangen und dortzubleiben. Das können beispielsweise alte Verbindungen sein, wie sie Roland Koch aus der Jungen Union hatte. Das kann auch die Strahlkraft des großen rhetorischen Auftritts sein.

Beides hat Eva Kühne-Hörmann nicht: Die 49-jährige Mutter zweier Kinder braucht wie einige andere Landesminister ihre lokale Basis, um bei Parteitagen auf Landesebene Erfolg zu haben, um Stimmen zu gewinnen. Wer auf lokaler Ebene zum Rücktritt genötigt wird, kann aber überregional keine Stärke ausstrahlen - und Macht behalten.

Kühne-Hörmann wird in Wiesbaden auch nicht als die gesetzte Nordhessin oder Quoten-Frau wahrgenommen, sondern als Fachfrau, die ihr Ministerium ordentlich führt. Echte Zuneigung schlägt ihr auf Landesebene nicht entgegen: Bei der jüngsten Wahl zum Parteivorstand erreichte EKH mit 74,5 Prozent der Stimmen das schlechteste Ergebnis aller Kandidaten.

Auch das ist ein Argument, in Kassel nichts an Macht und Stärke abzugeben. Die hat sie gesammelt, nachdem sie Anfang 2006 den Parteivorsitz übernommen hatte - starke Männer und starke Frauen gibt es in der Partei- und Fraktionsspitze neben ihr nicht mehr, zumindest treten sie nicht öffentlich als solche in Erscheinung.

Widerstand gewohnt

Eva Kühne-Hörmann ist allerdings Diskussion und Widerstand gewohnt: Sie ist aufgewachsen als Tochter eines Kasseler Kämmerers, der SPD-Mitglied war. Sie hat trotz aller Widerstände den Streit in der Parteispitze mit den Alphatieren Jürgen Gehb und Christoph Holler beendet (und im Zuge dessen die Macht an sich gezogen). Sie hat die marode Parteikasse saniert – und nach der Kommunalwahl 2006 eine ähnliche Kritik ausgesessen wie sie ihr heute entgegenschlägt: Die CDU habe keine Themen im Wahlkampf gehabt.

Von Uli Hagemeier

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