Analyse: Stadt hat seit der ersten Bewerbung 2010 gewonnen

Was hätte Kassel als Europas Kulturhauptstadt 2025 zu bieten?

Kassel. Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen hat eine neuerliche Kulturhauptstadtbewerbung Kassels ins Spiel gebracht. Wir betrachten die Stadtentwicklung.

Die Stadt ist auf dem Weg zur Kulturhauptstadt Europas bereits ein gutes Stück vorangeschritten: Oberbürgermeister Bertram Hilgen hatte beim Neujahrsempfang am Wochenende angekündigt, dass sich Kassel für das Jahr 2025 zum zweiten Mal um diesen Titel bewirbt. Besonders im Vergleich mit der ersten Bewerbung für das Jahr 2010 lässt sich also nun ablesen, wie stark sich die Stadt seither verändert hat.

In Kassel hatten sich ab 2002 über 1000 Menschen, Institutionen und Initiativen für den begehrten Titel starkgemacht. Vor 13 Jahren war der Bewerbungsprozess in Gang gekommen, 2006 war dann aber die Entscheidung für das Ruhrgebiet gefallen.

Es wurde spürbar, dass schon die Bewerbungs-Bewegung die Stadt verändert. Und es nachhaltig getan hat. Wenn man auf das Jahr 2015 und auf 2025 blickt, lassen sich viele Kulturschwergewichte ausmachen, die es damals noch nicht gab. Dazu gehört allen voran der Unesco-Welterbetitel. Ein Rückschritt ist allerdings auch zu verzeichnen: die unklare Situation der freien Szene, Stichworte Kulturfabrik Salzmann und Kulturbahnhof Nordflügel.

Dazu kommen jedoch weitere Pluspunkte: Das damalige Vorhaben, die Universität stärker mit der Stadtgesellschaft zu verknüpfen, ist voll aufgegangen. Und die Kulturszene hat sich durch den Bewerbungsprozess zusammengefunden im Kulturnetz.

Mit all diesen Faktoren legt Kassel stark vor.

Hier die einzelnen Pluspunkte:

documenta-Institut

Wenn ab 2016 das bislang städtische documenta-Archiv unter das Dach der documenta GmbH schlüpft, ist das ein Signal hin zu einem documenta-Institut: Die Geschichte der documenta (hier Jonathan Borofskys „Himmelsstürmer“ von 1992) soll intensiver erforscht und in der Stadt präsenter werden. Kassel-Touristen sollen auch zwischen den Ausstellungen im Fünf-Jahres-Rhythmus mehr über ihre Bedeutung erfahren als bisher. Der Begriff „documenta-Stadt“ könnte bis 2025 noch mehr mit Leben gefüllt werden.

MHK: Fertig

200 Millionen Euro fließen seit 2004 in die Sanierung der Museumslandschaft. Das Land bezeichnet das Vorhaben als „eines der größten Kulturinvestitionsprojekte Deutschlands“. Bis 2025 wird auch das Landesmuseum fertig sein.

Welterbe

Die Wasserkünste und der Bergpark mit Kassels Wahrzeichen, dem Herkules, stehen seit 2013 auf der Liste des Unesco-Weltkulturerbes. Eine jahrelange Sanierung der barocken Anlage und ein sorgfältig vorbereiteter Bewerbungsprozess des Landes für den Unesco-Titel haben Früchte getragen.

Grimm-Welt

Ein modernes Museum, das Ansprüchen an Forschung ebenso gerecht werden soll wie den Bedürfnissen von Kindern und erlebnishungriger Kulturtouristen: Noch in diesem Sommer wird die neue Grimm-Welt auf dem Weinberg fertig, die dem Wirken der Brüder Grimm und ihren Märchen gewidmet ist.

Neue Orgel

Im Jahr 2017 wird in der Martinskirche eine neue Orgel der renommierten Orgelbaufirma Rieger eingeweiht. Die äußere Gestaltung stammt vom norwegischen Künstler Yngve Holen. Die Orgel wird nicht nur wegen ihres Äußeren, sondern auch wegen ihrer neuartigen klanglichen Möglichkeiten international Aufsehen erregen.

Stadtmuseum

Der Bau und die Ausstellung des Stadtmuseums werden modernisiert. Das Museum ist seit Jahren geschlossen, Mitte dieses Jahres soll es wieder eröffnet werden.

Von Bettina Fraschke, Mark-Christian von Busse und Werner Fritsch

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