Analyse

Viele Änderungen, Fachleute fehlen: Militärische Projekte dauern zu lange

Der Puma im Einsatz: 24 Exemplare sind schon übergeben worden – vor allem zu Ausbildungszwecken in Munster. Archivfoto: dpa

Kassel. Der Puma-Auftrag wirft ein Licht auf andere militärische Großprojekte. Oft wird es viel teurer als veranschlagt. Wir sagen, warum das so ist.

Flugzeuge fliegen nicht oder stürzen schlimmstenfalls bereits im Testbetrieb ab, Sturmgewehre treffen nicht, Drohnen wird es zu kalt, Marine-Helikopter haben auf See Probleme: Die Pannenserie bei der Beschaffung neuer Waffensysteme reißt nicht ab, und stets schieben Industrie und Politik einander den Schwarzen Peter zu. Den eindeutig Schuldigen für Verzögerungen und Kostenexplosionen auszumachen, fällt selbst Militärexperten schwer.

Teuer: Moderne Waffensysteme sind Hightech-Produkte, bei denen neue Technologien, Materialien und Verfahren zum Einsatz kommen. Da kann es wie bei zivilen Projekten zu Teuerungen und Verzögerungen kommen.

Lange Zeiträume: Militärische Großprojekte brauchen viele Jahre, mitunter Jahrzehnte bis zur Umsetzung. Im Falle des Puma vergingen 17 Jahre vom ersten Entwicklungsschritt bis zum Auslieferungsstart. Der Auftrag wurde vor elf Jahren erteilt. Allein die Inflation und mehrfachen Mehrwertsteuererhöhungen in dieser Zeit machen 25 bis 30 Prozent der Teuerung aus. Dies ist in einer „Preisgleitklausel“ berücksichtigt.

Produktion bei Rheinmetall in Kassel: Unser Foto zeigt die Fertigung der Kettenführung für den neuen Schützenpanzer Puma.

Viele Änderungen: Wegen ständig wechselnder politischer Großwetter- und Bedrohungslagen, Regierungen und Militärstrategien ändern sich die Anforderungen. Nachträgliche Änderungen sind kostspielig. So muss der Puma wegen der Auslandseinsätze luftverladbar sein, was zunächst gar nicht geplant war. Weil er aber mit seiner vollen Hightech-Panzerung 41 Tonnen auf die Waage bringt und damit für den zu klein geratenen A 400 M zu schwer ist, muss für den Transport der Seitenschutz (9,5 Tonnen) abgenommen werden. Der Puma-Light kommt entweder weniger sicher zum Einsatz oder ein zweites Flugzeug muss den Schutz nachliefern. Auch die Panzerabwehrwaffe, die erst 2018 geliefert wird, ist eine Nachbestellung.

Personelle Probleme: Nach Einschätzung der Wirtschaftsberatungsgesellschaft KPMG hat das Beschaffungsamt zu wenig Fachleute. Es fehlten Ingenieure, Projektleiter und Juristen für die Vertragsausgestaltung. Freie Stellen blieben unbesetzt, Beamte würden falsch eingesetzt. Hinzu komme der häufige Wechsel von Soldaten, wodurch immer wieder neue eingearbeitet werden müssten.

Angst vor Verantwortung: Laut KPMG-Studie im Auftrag des Verteidigungsministeriums mangelt es den Beschaffern vielfach an Mut und Willen, Entscheidungen zu treffen. Zu vieles werde delegiert. Dabei seien klare Entscheidungsstrukturen für den Erfolg von Projekten dieser Größenordnung sehr wichtig.

Rheinmetall-Sprecher Oliver Hoffmann erklärte auf Anfrage, dass vor allem zusätzliche Kundenwünsche zur Preiserhöhung geführt hätten. Wenn man dies, Inflation und Steuererhöhungen herausrechne, koste das Fahrzeug so viel, wie vor elf Jahren vereinbart. Dort, wo die Industrie Kostensteigerungen zu verantworten habe, trage sie sie auch selbst.

KMW mochte sich zu dem Thema nicht äußern.

Lesen Sie auch:

- Modernstes Waffensystem seiner Art: Erster Puma wird übergeben

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.