Viel Marktmacht

Analyse: Übernahme von K+S würde PCS zum Branchenprimus machen

Geschäft mit dem weißen Gold: Im Verbundwerk Werra verarbeitet K+S das wertvolle Kali. Der Dax-Konzern aus Kassel fördert bisher nur in Deutschland – und baut gerade in Kanada ein Kalibergwerk. Foto: dpa

Kassel. In der kleinen Kaliwelt macht eine Handvoll Konzerne das globale Geschäft mit dem wertvollen Dünger unter sich aus.

Der Kasseler Dax-Konzern K+S gehört ebenso dazu wie der kanadische Konkurrent Potash Corp (PCS), der den deutschen Konkurrenten für 7,6 Milliarden Euro übernehmen will – notfalls auch ohne dessen Zustimmung, wie die Kanadier durchblicken ließen.

Für die Kalibranche wäre die Megafusion der zweite Paukenschlag in zwei Jahren. Im Sommer 2013 war der russische Konzern Uralkali aus dem Exportverbund BPC ausgestiegen. Kalipreise und -aktien rauschten in den Keller.

Gute Zahlen

Seitdem ist Ruhe eingekehrt, und die Kalipreise kommen langsam aus dem Tief. Im Mai legte K+S-Chef Norbert Steiner auf der Hauptversammlung Quartalszahlen vor, die auf einen hohen Jahresgewinn hoffen lassen.

Die Kanadier dürften sich schon vorher für K+S interessiert haben. Schließlich beweisen die Nordhessen vor der Haustür ihres Konkurrenten, was sie finanziell und technologisch draufhaben: In der kanadischen Kaliprovinz Saskatchewan bauen sie ein gut drei Milliarden Euro teures Bergwerk. Bis zu 2,7 Millionen Tonnen Kali im Jahr soll es in fördern, wenn es auf vollen Touren läuft. Hinter den Übernahmegelüsten der Kanadier dürfte deshalb die Absicht stehen, die Düngermengen und damit die Preise zu kontrollieren.

Weltweit wurden im vergangenen Jahr 68,4 Millionen Tonnen Kaliprodukte verkauft. Die größten Produzenten sitzen in Nordamerika und Russland, die größten Abnehmer in Südamerika, Indien und China. Abgerechnet wird in Dollar, der Preis von Bündnissen festgezurrt. Das wichtigste von ihnen ist seit dem Zerbrechen der russischen Exportallianz die nordamerikanische Canpotex. Ihr gehören die Konzerne Mosaic und Atrium sowie PCS an. Canpotex steht für gut ein Drittel der Kalimarktanteile. Mit K+S kämen weitere zehn Prozent hinzu. Der Konzern gehört keiner Vertriebsallianz an, ist aber Nutznießer der Preisverhandlungen.

Nur etwa ein Dutzend Länder weltweit haben Kalivorkommen. Weite Transportwege prägen das Geschäft ebenso wie hohe Investitionen. Mit Blick auf Kosten und Effizienz suchen die Konzerne ihr Heil in der Größe. Bereits 2010 schluckte Uralkali den russischen Branchenkollegen Silvinit. Auch PCS ging auf Einkaufstour. Die Kanadier halten Anteile an den Kaliherstellern APC (Jordanien), SQM (Chile) und an der israelischen ICL, deren Komplettübernahme der Staat vereitelte.

Mit einem Umsatz von 6,6 Milliarden Euro ist PCS um die Hälfte größer als K+S, mit einem operativen Gewinn von knapp zwei Milliarden Euro aber deutlich profitabler. Allerdings drücken die Kanadier Schulden von gut drei Milliarden Euro. Trotzdem ließe sich der Kauf wohl finanzieren:PCS könnte etwa die K+S-Salzsparte verkaufen.

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