Wissenschaftliche Hilfskräfte: Andere Unis zahlen mehr

War wissenschaftliche Hilfskraft und kritisiert die schlechte Bezahlung: Isabel Carqueville hat zwei Jahre lang im Bereich Frauen- und Geschlechterforschung der Uni Kassel gearbeitet. Foto: Eder

Kassel. Die 150 wissenschaftlichen Hilfskräfte der Uni Kassel erhalten 50 Cent bis 1 Euro pro Stunde weniger Lohn als an anderen hessischen Hochschulen: Statt 13,50 oder 14 Euro sind es in Kassel 13 Euro.

Das stößt bei Isabel Carqueville vom Regionalverband Hochschule und Forschung Kassel der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) auf Kritik. Die 27-Jährige weiß, wovon sie spricht. Bis Dezember 2010 hat sie zwei Jahre lang für den Bereich Frauen- und Geschlechterforschung der Uni Kassel als wissenschaftliche Hilfskraft gearbeitet. Die junge Frau hat nach ihrem Magisterabschluss eine in ihren Augen anspruchsvolle Tätigkeit ausgeübt: das interdisziplinäre Studienprogramm für diesen Bereich zu koordinieren.

„Prekäres Arbeitsverhältnis“

Organisieren, mit den Fachbereichen kommunizieren, Anzeigenwerbung, Layout bis zum Druck, Zertifikate erstellen, Scheine der Studenten prüfen - das alles hat ihr Spaß gemacht. Wissenschaftliche Hilfskraft zu sein bedeute aber, ein prekäres Arbeitsverhältnis einzugehen, sagt die verheiratete Frau. Die Grenze für die Beschäftigung liegt bei monatlich 82 Stunden.

Als Grund für die niedrigere Entlohnung nennt Uni-Pressesprecher Dr. Guido Rijkhoek die im Vergleich zu anderen hessischen Städten niedrigeren Lebenshaltungskosten in Kassel.

Doch der Senat der Uni will diese Ungleichbehandlung nicht hinnehmen. Deswegen hat das höchste Beratungsgremium kürzlich einstimmig die Hochschulleitung aufgefordert, den Lohn auf das hessenweite Niveau anzuheben. Dieses Thema wolle das UniPräsidium demnächst aufgreifen, sagt Rijkhoek. Das Argument der niedrigeren Lebenshaltungskosten kann Carqueville, die zurzeit im Fach Erziehungswissenschaft promoviert, so nicht stehen lassen: „Es ist nicht einzusehen, dass in Kassel für die gleiche Arbeit weniger bezahlt wird“, sagt Carqueville. Die Entlohnung habe nichts mit den Lebenshaltungskosten zu tun. „Dann müsste man bei den Gehältern der Professoren ja auch sparen.“

Bei 63 Arbeitsstunden monatlich habe sie 819 Euro brutto verdient. Abzüglich der Steuern und der Krankenversicherungsbeiträge seien etwa 750 Euro zum Leben übrig geblieben. „Da muss man gucken, wie man über die Runden kommt. Da spielen 30 oder 40 Euro mehr pro Monat schon eine Rolle“, sagt sie. Ohne die finanzielle Unterstützung ihrer Eltern hätte sie nicht leben können.

Viele wissenschaftliche Hilfskräfte müssten noch zusätzliche Jobs annehmen. Zumal hinzukomme, dass die meisten eine Promotion anstrebten, ihre wissenschaftliche Arbeit aber nebenbei schreiben müssten. Deswegen fordert die Gewerkschafterin einen Tarifvertrag für diese Gruppe.

Carqueville ist das Problem schlechter Entlohnung seit Januar los. Ein finanziell gut ausgestattetes Stipendium sorgt dafür, dass sie sich ihrem Promotionsthema hingeben kann: dem Vergleich von Kinderkulturen in BRD und DDR. HINTERGRUND

Von Beate Eder

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