Zurzeit leiden vor allem viele jüngere Patienten unter Infekten – Lange Wartezeiten am Wochenende

Lange Wartezeiten beim Kindernotdienst

Blick in Hals und Rachen: Vor allem viele jüngere Kinder leiden derzeit unter Infekten der Atemwege. Fotos:  dpa, privat / nh, Heise-Thonicke

Kassel. „Manche Eltern wussten kaum noch, wie sie ihre Kinder halten sollten.“ So schildert Sandra H. aus Kassel die Situation beim Kinderärztlichen Bereitschaftsdienst in der Kinderklinik am Klinikum am vergangenen Wochenende.

Über zwei Stunden habe sie mit ihrem fünf Monate alten Sohn gewartet. Sie war verzweifelt, weil das Baby wegen einer Erkältung nicht mehr trinken wollte. „Die Wartebereiche und Flure waren voll“, sagt die junge Mutter. Schließlich sei eine zweite Ärztin zur Verstärkung angefordert worden.

Tatsächlich haben Infekte bei Kindern jetzt Hochsaison, sagt Dr. Ulrike Achenbach, Obfrau der nordhessischen Kinder- und Jugendärzte. Die Kinderarztpraxen seien deshalb zurzeit voll. Entsprechend gefragt sei daher auch der von den niedergelassenen Kinderärzten organisierte Bereitschaftsdienst am Klinikum. Längere Wartezeiten - mitunter auch länger als eine Stunde - ließen sich gerade in Zeiten vermehrter Infekte nicht vermeiden, sagt die in Baunatal niedergelassene Kinderärztin. Denn in der Notaufnahme würden ja keine Termine vergeben, und zu bestimmten Zeiten sei der Andrang besonders groß. In nicht wenigen Fällen handele es sich aber auch um Bagatell-Erkrankungen.

Gerade in der Mittagszeit an Wochenenden habe man gleich zwei Ärzte zum Notdienst eingeteilt. „Wenn es zu voll wird, machen wir auch vom Rufdienst Gebrauch“, sagt die Medizinerin. Doch auch mit einem zweiten Arzt seien Wartezeiten nicht vermeidbar. Eltern sollten sich deshalb darauf einstellen, dass der Besuch beim Kindernotdienst länger dauern kann. Grundsätzlich laufe es aber gut, auch am neuen Standort.

Vor allem viele kleine Kinder, die gegen Infekte noch keine Antikörper gebildet haben, leiden unter Fieber und grippalen Infekten. Oftmals seien diese gerade zu Beginn mit Erbrechen und Durchfall verbunden, sagt Ulrike Achenbach. Hinzu kommen Magen-Darm-Infekte durch Viren. Infekte, die an drei bis fünf Tagen auch von Fieber begleitet sein können, seien derzeit nichts Ungewöhnliches, sagt die Kinderärztin. Vor allem kleine Kinder, die länger als drei Tage Fieber haben oder die gleichzeitig unter Fieber, Durchfall und Erbrechen leiden, sollten dem Arzt vorgestellt werden.

Viele kleinere Kinder hat es derzeit auch schlimmer erwischt. Deshalb ist auch die neue Kinderklinik am Klinikum zurzeit voll. „Das ist ganz typisch für diese Jahreszeit“, sagt der Direktor der Kinderklinik, Prof. Dr. Friedrich K. Tegtmeyer. Die Kinderärzte im Klinikum behandeln in diesen Tagen häufiger Kleinkinder mit Lungenentzündungen, aber auch mit Durchfall und Bronchitis.

Nach dem Winter und der lichtarmen Jahreszeit sei die Immunabwehr der Kinder häufig etwas schwächer, nennt Tegtmeyer als weiteren Grund für die gehäuften Infekte. „Wir sind froh, dass wir die neue Kinderklinik haben“, sagt der Chefarzt. Denn hier könne man Kinder mit ansteckenden Infekten viel besser von anderen Patienten trennen. In der neuen Klinik gibt es zum Beispiel keine Vier-Bett-Zimmer mehr.

Von Martina Heise-Thonicke

Hintergrund: Kindernotdienst in neuen Räumen

Mit der Schließung des Kinderkrankenhauses Park Schönfeld ist auch der Kindernotdienst der niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte in Räume in der neuen Kinderklinik am Klinikum umgezogen. Seit Dezember vergangenen Jahres ist der Bereitschaftsdienst im Zentrum für Frauen- und Kindermedizin an der Mönchebergstraße zu finden. Der Eingang der Kinderklinik (Haus F) liegt an der Nordseite des Neubaus gegenüber dem DRK-Blutspendedienst. Parkplätze gibt es im Parkhaus 1 neben der Haupteinfahrt zum Klinikum. Die Straßenbahnhaltestellen der Linie 7 in diesem Bereich heißen „Klinikum Kassel“ und „Simmerhäuser Straße“.

Die Sprechzeiten des Kindernotdienstes sind: • Montag, Dienstag, Donnerstag von 19 bis 22 Uhr, • Mittwoch und Freitag 15 bis 22 Uhr • an Wochenenden und Feiertagen von 9 bis 22 Uhr. (hei)

Die Telefonnummer des Kindernotdienstes lautet 05 61/ 9 88 66 90.

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