2000 Menschen besuchten das Bundessozialgericht am Tag der offenen Tür

2000 Besucher kamen zum Tag der offenen Tür ins Bundessozialgericht

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Klägerin vor großem Publikum: Die Reinigungskraft Andrea Scott (von links) und ihr Rechtsbeistand Max Eppelein (DGB Rechtsschutz) vor der mündlichen Verhandlung im voll besetzten Elisabeth-Selbert-Saal.

Kassel. „Ich bin sehr gespannt“, sagte Lissy Gott aus Fuldabrück, bevor der 4. Senat des Bundessozialgerichts (BSG) am Samstag sein Urteil verkündete. Sie war eine von 200 Zuschauern, die in den Elisabeth-Selbert-Saal gekommen waren, um die öffentliche Verhandlung am Tag der offenen Tür des BSG zu verfolgen.

Es war eine „nicht ganz normale Sitzung“, wie es der Vorsitzende Bundesrichter Prof. Dr. Thomas Voelzke zu Beginn formulierte.

Klägerin war die Reinigungskraft Andrea Scott aus Karlsruhe, die gegenüber der Arbeiterwohlfahrt Vergütungsansprüche geltend gemacht hatte. Die Frau hatte im Jahr 2005 als Ein-Euro-Jobberin in einem Altenheim der Awo in Karlsruhe geputzt. Ansprüche auf Arbeitsentgelt von der Awo stünden ihr nicht zu, weil kein Arbeitsverhältnis bestanden habe, so Voelzke in der Urteilsbegründung.

Zurückgewiesen ans Landesarbeitsgericht

Das BSG verwies das Verfahren dennoch an das zuständige Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg zurück. Dort muss geklärt werden, ob der Ein-Euro-Job rechtswidrig war und die Frau Anspruch auf Ersatz vom Jobcenter hat.

Für Zuschauerin Lissy Gott war es der erste Besuch im höchsten deutschen Sozialgericht. Auch wenn der Fall sehr kompliziert gewesen sei, so sei die Materie doch sehr interessant.

Blick aufs Modell: Monika und Christian Tetzer aus Hann. Münden schauten sich im BSG um.

So viele Menschen hätten beim BSG in Kassel noch nie eine Sitzung verfolgt, sagte Mitarbeiter Rainer Lüftner. Die Nachfrage war so groß, dass einige Besucher enttäuscht zurückgewiesen werden mussten. Heinrich Falb aus Kassel hatte Glück. „Ich bin auf den letzten Drücker noch in den Saal gekommen.“ Die mündliche Verhandlung sei „absolut interessant“ gewesen.

Sehr interessiert war der Mann aus Kassel auch an der Geschichte des Hauses. Das Gebäude am Graf-Bernadotte-Platz war von den den Nationalsozialisten in den Jahren 1936 bis 1938 als Generalkommando errichtet worden.

Immer noch Generalkommando

„Für mich ist es immer noch das Generalkommando“, sagt Helga Saenger. Die 78-jährige Frau aus Kassel wohnt ganz in der Nähe und besuchte das Bundesgericht am Samstag zum ersten Mal. „Mein Schwiegervater war im Krieg hier als Offizier.“ Er habe großes Glück gehabt. Als Bomben auf das Generalkommando abgeworfen wurden und viele Menschen im Luftschutzkeller starben, habe ihr Schwiegervater ausgerechnet in einem Nachbargebäude Schutz gefunden.

Tag der Offenen Tür im Bundessozialgericht

Einblicke in die Geschichte des Hauses sowie Wissenswertes über die 35 Millionen teure Sanierung und Modernisierung des Gerichts gab es bei Führungen durchs Haus.

Unter den Besuchern waren auch Monika und Christian Tetzer aus Hann. Münden. „Wenn man so eine hochkarätige Institution in der Nähe hat, dann muss man die sich auch anschauen“, sagte Tetzer.

Fachliches Interesse

2000 Menschen besuchten das BSG beim ersten Tag der offenen Tür. „Wir sind beeindruckt, dass die Besucher so ein hohes fachliches Interesse an unserem Haus haben“, sagte Dirk Felmeden (Abteilung Presse- und Öffentlichkeit).

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