Belastung steigt

Notaufnahme in Kassel: Zahl der Einsätze explodiert

Ein Krankenwagen im Einsatz des Deutschen Roten Kreuzes.
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Mehr Einsätze als sonst: Kasseler Notaufnahmen werden derzeit häufig angefahren.

Nicht nur Corona sorgt für Arbeit in den Notaufnahmen in Kassel. In den vergangenen Wochen gibt es vermehrt Einsätze, die nichts mit dem Virus zu tun haben.

Kassel - In den Notaufnahmen von Kassels Krankenhäusern wird es derzeit nicht langweilig. Die Belastung für das Personal nimmt zu. In den vergangenen vier Wochen sei die Anzahl der Einsätze explodiert, sagt Dr. Klaus Weber, Chefarzt des Notfallzentrums Nordhessen im Kasseler Klinikum, am Rande der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) im Kongress Palais in Kassel. Dabei hätten diese Einsätze nichts mit Corona zu tun.

Weber erklärt, dass die Notaufnahme des Klinikums durchschnittlich etwa 60-mal pro Tag angefahren werde. Zuletzt habe es aber Tage gegeben, da seien mehr als 90 Rettungs- oder Notarztwagen angekommen: „Eine Steigerung von fast 50 Prozent.“

Notaufnahmen in Kassel: Was ist der Grund für den großen Andrang?

Die deutliche Abweichung ist in allen Kliniken spürbar, zum Beispiel im Elisabeth-Krankenhaus (EKH). „Wir fahren ohnehin schon unter Volllast. Und dann kommt auch noch Corona dazu“, sagt Dr. Wagma Mehlhorn, stellvertretende Leiterin der Zentralen Notaufnahme im EKH. Überdies vereinfache der Mangel an Personal die Situation nicht wirklich.

Den einen Grund für den erhöhten Andrang in Notaufnahmen gibt es nicht, mehrere Faktoren spielten eine Rolle. Die beiden Notfallmediziner berichten, dass es sich bei den Einsätzen um das gesamte Spektrum handele: Schlaganfälle, Herzprobleme, außerdem sei jahreszeitenbedingt die Zahl der Unfälle deutlich gestiegen. Darüber hinaus müssten viel mehr Kinder und Jugendliche mit schweren Infekten behandelt werden. Weber sagt: „Mehr als ein Jahr lang waren sie abgeschirmt.“ Somit sei das Immunsystem auch nicht trainiert worden.

Angesichts der hohen Belastung „haben wir Respekt vor dem, was noch auf uns zukommt“, sagt Mehlhorn. Die Medizinerin warnt wie andere Kollegen auf der Jahrestagung davor, dass sich die Situation im Verlauf der vierten Welle zuspitzt und die Notaufnahmen an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Im Vergleich zu anderen Regionen in Deutschland sei die Lage in Nordhessen aber bislang noch überschaubar, ergänzt Weber. (Robin Lipke)

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