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Betreut von Kasseler Wissenschaftler: Andreas Butz rennt 21 Marathons in 21 Tagen

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Von: Matthias Lohr

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Andreas Butz (im gelben Shirt) und Kuno Hottenrott
Läuft quer durch Deutschland, um Spenden zu sammeln und auf die Nervenkrankheit ALS aufmerksam zu machen: Andreas Butz (im gelben Shirt) wird vom Kasseler Sportwissenschaftler Kuno Hottenrott betreut. © Privat/nh

Drei Wochen lang läuft Andreas Butz jeden Tag mindestens einen Marathon. Betreut wird er vom Kasseler Sportwissenschaftler Kuno Hottenrott.

Kassel – Drei Wochen lang läuft Andreas Butz jeden Tag mindestens einen Marathon. Mit 56 Jahren wurde der Autor und Vortragsredner zum Extremsportler. Seit dem 3. August ist der Rheinländer quer durch Deutschland unterwegs, um Spenden für den Kampf gegen die Nervenkrankheit ALS zu sammeln. Betreut wird Butz dabei vom Kasseler Sportwissenschaftler Kuno Hottenrott. Wir haben beide beim Stopp in Kassel getroffen.

Bis voriges Jahr war Butz ein ganz normaler Läufer – wenn man jemanden als ganz normal bezeichnen kann, der bislang 161 Marathons sowie mehrere Ultraläufe absolviert hat. Früher arbeitete der gelernte Bankkaufmann für Unternehmen. Dann begann er, Bücher zu schreiben („Runners High. Die Lust zu laufen“) und gründete seine Laufcampus-Akademie. Als Redner tritt er in ganz Deutschland auf.

Stop in Kassel: Marathonläufer Andreas Butz sammelt Spenden gegen ALS

Üblicherweise spult Butz nur 70 bis 100 Kilometer in der Woche ab. Für seinen Deutschlandlauf von Neißeaue an der deutsch-polnischen Grenze bis nach Selfkant, der westlichsten Gemeinde Deutschlands, hat er sein Pensum auf 180 km erhöht. Die bis zu 47 km langen Tagesetappen, bei denen er von seiner Frau Gisela auf dem E-Bike und oft auch von anderen Läufern begleitet wird, spult er bislang mit etwa 10 km/h ab, also einem Minutenschnitt von 5:40 bis 6:00 pro Kilometer – und das auch bei über 30 Grad. Selbst als er am Montag nach einigen Höhenmetern in Harleshausen am Hotel am Sonnenhang ankommt, sieht der Läufer aus Euskirchen noch locker aus.

Das außergewöhnliche Laufabenteuer hat einen ernsten Hintergrund. Im März starb ein guter Freund von Butz an ALS. Bei der unheilbaren Krankheit, an der auch der Physiker Stephen Hawking litt, bricht die Kommunikation zwischen Hirn und Muskeln ab. Butz sammelt nun Spenden für den Selbsthilfeverein von Bruno Schmidt aus Linnich bei Aachen. Der ehemalige Radsportler leidet bereits seit acht Jahren an ALS. Die meisten Patienten sterben bereits zwei bis fünf Jahre nach den ersten Beschwerden. 20 000 Euro hat Butz schon eingesammelt.

Andreas Butz seine Frau Gisela und Sportwissenschaftler Kuno Hottenrott
Bei der Körperfettmessung steht Andreas Butz neben seiner Frau Gisela und Sportwissenschaftler Kuno Hottenrott auf der Waage. © Lohr, Matthias

Kasseler Sportwissenschaftler Kuno Hottenrott: „Das ist eine Riesenleistung in dem Alter“

Betreut wird Butz vom Kasseler Sportwissenschaftler Kuno Hottenrott, Vater von Deutschlands Marathon-Ass Laura Hottenrott. Über einen Sensor im Arm wird rund um die Uhr der Blutzuckerspiegel gemessen, den Butz live auf dem Handy kontrollieren kann. Hottenrott, der an der Uni Halle-Wittenberg forscht, lobt seinen Athleten: „Das ist eine Riesenleistung in dem Alter. Mit ihr können hoffentlich viele Menschen motiviert werden, noch aktiver zu werden.“

Butz ist zuversichtlich, auch die letzten sieben Marathons zu überstehen. Auf der Schlussetappe will er Bruno Schmidt im Rollstuhl schieben. Danach soll ein Buch über seinen Deutschlandlauf entstehen. Womöglich werden darin auch wieder kluge Sätze übers Laufen stehen. In Kassel sagte Butz etwa das: „Die Deutschen machen auch eine Art Extremsport und legen pro Tag nur 700 Meter zurück. Unsere Veranlagung liegt aber bei 10 bis 15 Kilometern. Wenn Ärzte könnten, würden sie Laufen verschreiben.“ Andreas Butz bloggt über seinen Lauf. (Matthias Lohr)

Ebenfalls für den guten Zweck liefen vor wenigen Wochen sechs Läuferinnen und Läufer in Bad Hersfeld. Ausgerichtet hatte den Lauf der Verein „Be your own hero“.

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